Ladis-Lyrik
Ein Beitrag zum Themengebiet Familie, geschrieben am 3. November 2009 von JohannaSurreale mehrsprachige Poesie eines Fünfjährigen:
La lune – Knall,
der Beethoven sitzt im Stall.
Surreale mehrsprachige Poesie eines Fünfjährigen:
La lune – Knall,
der Beethoven sitzt im Stall.
Mein zweiter Sammelband ist erschienen:
Ein hartes Stück Arbeit, aber es hat sich gelohnt!
Betreuungsgeld-Bashing mag nicht besonders originell sein, ich tue es hiermit trotzdem, denn ich begreife es einfach nicht.
Der Koalitionsvertrag begründet die geplante Einführung des Betreuungsgeldes mit dem Begriff “Wahlfreiheit”. Der logische Zusammenhang ist mir völlig unklar. Vermutlich lautet der Gedankengang ungefähr so: “Der Staat gibt WAHNSINNIG viel Geld (*ironieoff*) für mehr Kinderbetreuung aus, folglich müssen die Familien, die dies nicht in Anspruch nehmen, auch etwas bekommen.”
Das ist erstens absurd. Mit dieser Simpel-Logik könnte ich auch fordern, dass, wenn der Staat z.B. Geld dafür ausgibt, sozial schwachen Jugendlichen zu helfen, meine Kinder bitte eine Prämie dafür bekommen sollen, diese Hilfe nicht zu benötigen.
Zweitens ist es auch logisch schwachsinnig, denn Wahlfreiheit entsteht nicht daraus, dass der Staat für alle Segmente der Gesellschaft gleich viel Geld ausgibt, sondern aus den konkreten Handlungsoptionen, die die Menschen haben.
Wenn ich mal ganz von der polemischen Unterschichtdebatte absehe, dann stellen sich die Handlungsoptionen für die durchschnittlich verdienende Familie, sagen wir mal in Bayern (CSU-Klientel), doch so dar:
Ich hoffe nur, dass bis 2013 irgendjemandem in der Regierung auffällt, wie schwachsinnig diese Verpulverung von Steuermilliarden ist. Sinnvoll wäre eine Abschaffung des ordnungspolitisch fragwürdigen Ehegattensplittings und die Einführung einer echten steuerlichen Förderung von Eltern (gleich welchen Familienstandes) mit Kindern, insbesondere mit mehreren Kindern, wie es Frankreich erfolgreich praktiziert. Die dortigen Geburtenraten sind viel höher als die unsrigen, weil sich zwei Kinder steuerlich mehr lohnen als eines und das dritte Kind noch viel mehr, d.h., dass 3 Kinder sogar meist zur völligen Steuerfreiheit führen. Gleichzeitig gibt es genug Krippenplätze, so dass sich kein Mensch überlegen muss: “Kann ich mir ein weiteres Kind beruflich/finanziell leisten?” Aber ideologische Bedenken und die Angst vor der Verprellung wichtiger Wählergruppen wiegen in der deutschen Politik wohl auf absehbare Zeit mehr als Sachargumente. ![]()
Im Moment ist die ganze Stadt voll mit diesen Plakaten, auf denen ein Superheld eine schöne Frau mit seinen starken Armen rettet. Intuitiv hätte ich gedacht, Werbung für Stammzellspenden. Als ich Ladis heute das Plakat erklären sollte, fiel mir aber auf, dass es um Organspenden geht. Der kleine, aber feine Unterschied: Als Organspender ist der eigene Tod in der Regel Grundvoraussetzung, um irgendjemanden retten zu können. Dass die graphische Umsetzung dieser Tatsache Rechnung trägt, kann man nicht wirklich behaupten. Vielleicht im Jenseits.
Sonntag, 11. Oktober: Lorenz fängt an, seine Sachen zu packen für seinen jährlichen einwöchigen Messeaufenthalt. Luzie wird wach und klagt, der entzündete Mückenstich an ihrer Fußsohle jucke. Ich schaue mir das an und sehe einen dicken roten Streifen quer über die Fußsohle. Nicht gut. Während des Frühstücks schaue ich, wann in der nächstgelegenen Kinderklinik der Bereitschaftsdienst anfängt. Ich hole den eingemotteten Kinderwagen aus der Garage und fahre mit Luzie im Bus dorthin.
Lange warten müssen wir nicht. Die Ärztin wirft einen Blick auf den Fuß und stellt fest: “Beginnende Lymphangitis, das nannte man früher Blutvergiftung. Sie braucht Antibiotika, zumindest anfangs intravenös. Ich weise sie in die Klinik ein.” WAAS? Ich muss doch Dienstag für zwei Tage nach Basel zum Bewerbungsvortrag!
Lorenz ruft meine Eltern an (die seinen sind nicht verfügbar). Mein Vater kommt vorbei, um Ladis zu bespaßen, damit Lorenz packen kann; meine Mutter setzt sich ins Auto und ist abends in Berlin. Ich verbringe mit Luzie einen anstrengenden Tag auf der Station: Luzie ist fit, langweilt sich, will unterhalten werden, es gibt aber nichts zu tun (Lorenz bringt uns gegen Abend Sachen vorbei, bis dahin habe ich nichts, und das stationseigene Spielzimmer verdient seinen Namen nicht). Ich bin todmüde, habe keine Chance, mich auszuruhen, und das Essen ist mies. Krankenhaus halt.
Montag, 12. Oktober: Wir warten den ganzen Vormittag auf die Visite, mit dem Ergebnis, dass Luzie dableiben muss. Meine Vorbereitungszeit für Basel geht langsam, aber sicher flöten, Lorenz ist mittlerweile abgereist. Nachmittags kommt meine Mutter. Nach der Antibiotikagabe fahren wir mit Luzie kurz nach Hause, dann fährt sie mit ihr abends wieder ins Krankenhaus. Ich muss packen, muss am nächsten Morgen ganz früh los. Mein Vater wird bei Ladis bleiben.
Dienstag, 13. Oktober: Ich stehe um 4 Uhr auf, fahre zum Flughafen, komme um 8 Uhr in der Baseler Innenstadt an, kann aber natürlich noch nicht ins Hotelzimmer. Laufe mehrere Stunden lang herum, darf schließlich endlich in mein Zimmer. Hektische Telefonate mit meinen Eltern: Luzie kann entlassen werden, die Klinik braucht aber eine Vollmacht, damit meine Eltern sie mitnehmen dürfen. Ich schreibe ein Fax an die Klinik und schicke es vom Hotel aus. Zum Glück ist das Telefonabrechnungssystem des Hotels kaputt, sonst wäre ich ein Vermögen für Anrufe auf deutschen Handys losgeworden. Absolviere nachmittags und am folgenden Vormittags Bewerbungsprozeduren, bin hinterher so müde, dass ich den Nachmittag auf einer Bank am Flughafen verbringe, weil ich natürlich nicht mehr in mein Zimmer kann und zu erschöpft bin, um mir noch was anzuschauen.
Um acht Uhr abends bin ich wieder zuhause. Die Kinder freuen sich riesig über meine Rückkehr. Luzies Fuß geht es besser, sie darf auch wieder in die Kita. Zwei Tage ohne Papa müssen wir noch überstehen (während die Kinder in der Kita sind, schlafe ich erstmal aus), dann wird am Wochenende der Kuchen gebacken, den ich Luzie aus lauter schlechtem Gewissen versprochen hatte, als ich sie in der Klinik zurücklassen musste… Heute freut sich die Kindergartengruppe über einen Schokokuchen mit Gummibärchen und Smarties. Ist immerhin noch etwas Gutes aus der ganzen Sache geworden. ![]()
Hier herrschte mal wieder Ewigkeiten lang Funkstille. Das liegt daran, dass ich seit unserem Urlaub so langweilige Sachen mache: Meinen Sammelband (Muslim Societies in the Age of Mass Consumption) setzen, Antrag schreiben, noch einen Antrag schreiben usw. Ich hasse das, es ist so unproduktiv, aber nur für mein nettes Lächeln kriege ich halt kein Geld.
Außerdem werde ich voraussichtlich im WS eine Professur in Tübingen vertreten, was einigen bürokratischen Aufwand verursacht, den ich ungern mehr als nötig auf andere abwälzen möchte. Es bleibt also turbulent.
Es ist schon wieder viel zu lang her, aber: wir waren im Urlaub. Usedom war wieder mal richtig schön. Eines der Highlights war die Fahrt im “Motorboot” (4 PS Außenborder) über das Achterwasser von Loddin aus. Den Kindern gefiel es:
Da (s.u.) ArabTeX bei dem Sammelband, den ich gerade setze, Kompatibilitätsprobleme verursacht, musste ich es rausschmeißen. Ich brauche aber diverse Transliterationszeichen, um eine IJMES-artige Umschrift setzen zu können. Mit XeLaTeX wäre das kein Problem, aber das geht aus diversen anderen Gründen nicht…
Das Problem sind vor allem ‘Ayn und Hamza. Und dafür habe ich habe eine Lösung gefunden, auf die ich ganz stolz bin:
\usepackage{graphicx}
\usepackage{semtrans} %Ggf. installieren
\newcommand{\ayn}{\textsuperscript{c}}
\newcommand{\hamza}{\textsuperscript{\T{c}}}
Und dann einfach nur noch \ayn und \hamza verwenden, wann immer man die entsprechenden Zeichen braucht - voilà!
Ansonsten braucht man für IJMES nur noch Punkte unter einigen Konsonanten, die kriegt man mit \d{s} usw., und Striche über den Vokalen, die kriegt man mit \={a}, \={u} und {\=\i}. I ist anders, damit es nicht so langweilig wird. ![]()
ArabTeX und großes polnisches Ł (in LaTeX: {\L}) vertragen sich nicht. Das L mit Hacek erscheint nicht im PDF. Und das steht nirgendwo im Internet. Daher: Das musste jetzt mal gesagt werden. ![]()
Meine dreijährige Tochter liebt es gerade, wildfremde Menschen nach ihrem Namen zu fragen (”Wie heißt Du?”). In 99% aller Fälle wird sie ignoriert, oder die Leute geben die Frage zurück, oder sie lächeln, verweigern aber die Antwort, oder sie reagieren sogar irritiert. Allenfalls Jugendliche antworten ab und an. Offensichtlich gilt die grundlose Frage nach dem Namen hierzulande als indiskret und Grenzüberschreitung und die Preisgabe des Namens als etwas Persönliches… oder so. Und DAS ist etwas, das ich mir z.B. für Ägypten oder Jordanien überhaupt nicht vorstellen kann.
Wahrscheinlich liegt es auch daran, dass in Deutschland das Siezen und der Gebrauch des Nachnamens so üblich sind. Die Leute wollen vermutlich weder mit ihrem Vornamen herausrücken (typisch deutsch halt) noch einer Dreijährigen erklären, dass sie Frau Leutheusser-Schnarrenberger o.s.ä. heißen… In Ägypten heißen sie einfach “Ahmad” oder so. Viel praktischer. ![]()