Archiv für Oktober 2009

Tote Superhelden

Ein Beitrag zum Themengebiet Allgemein, Gesellschaft, geschrieben am 26. Oktober 2009 von Johanna

Im Moment ist die ganze Stadt voll mit diesen Plakaten, auf denen ein Superheld eine schöne Frau mit seinen starken Armen rettet. Intuitiv hätte ich gedacht, Werbung für Stammzellspenden. Als ich Ladis heute das Plakat erklären sollte, fiel mir aber auf, dass es um Organspenden geht. Der kleine, aber feine Unterschied: Als Organspender ist der eigene Tod in der Regel Grundvoraussetzung, um irgendjemanden retten zu können. Dass die graphische Umsetzung dieser Tatsache Rechnung trägt, kann man nicht wirklich behaupten. Vielleicht im Jenseits.

Aus dem Leben einer Karrieremutter

Ein Beitrag zum Themengebiet Familie, geschrieben am 19. Oktober 2009 von Johanna

Sonntag, 11. Oktober: Lorenz fängt an, seine Sachen zu packen für seinen jährlichen einwöchigen Messeaufenthalt. Luzie wird wach und klagt, der entzündete Mückenstich an ihrer Fußsohle jucke. Ich schaue mir das an und sehe einen dicken roten Streifen quer über die Fußsohle. Nicht gut. Während des Frühstücks schaue ich, wann in der nächstgelegenen Kinderklinik der Bereitschaftsdienst anfängt. Ich hole den eingemotteten Kinderwagen aus der Garage und fahre mit Luzie im Bus dorthin.

Lange warten müssen wir nicht. Die Ärztin wirft einen Blick auf den Fuß und stellt fest: „Beginnende Lymphangitis, das nannte man früher Blutvergiftung. Sie braucht Antibiotika, zumindest anfangs intravenös. Ich weise sie in die Klinik ein.“ WAAS? Ich muss doch Dienstag für zwei Tage nach Basel zum Bewerbungsvortrag!

Lorenz ruft meine Eltern an (die seinen sind nicht verfügbar). Mein Vater kommt vorbei, um Ladis zu bespaßen, damit Lorenz packen kann; meine Mutter setzt sich ins Auto und ist abends in Berlin. Ich verbringe mit Luzie einen anstrengenden Tag auf der Station: Luzie ist fit, langweilt sich, will unterhalten werden, es gibt aber nichts zu tun (Lorenz bringt uns gegen Abend Sachen vorbei, bis dahin habe ich nichts, und das stationseigene Spielzimmer verdient seinen Namen nicht). Ich bin todmüde, habe keine Chance, mich auszuruhen, und das Essen ist mies. Krankenhaus halt.

Montag, 12. Oktober: Wir warten den ganzen Vormittag auf die Visite, mit dem Ergebnis, dass Luzie dableiben muss. Meine Vorbereitungszeit für Basel geht langsam, aber sicher flöten, Lorenz ist mittlerweile abgereist. Nachmittags kommt meine Mutter. Nach der Antibiotikagabe fahren wir mit Luzie kurz nach Hause, dann fährt sie mit ihr abends wieder ins Krankenhaus. Ich muss packen, muss am nächsten Morgen ganz früh los. Mein Vater wird bei Ladis bleiben.

Dienstag, 13. Oktober: Ich stehe um 4 Uhr auf, fahre zum Flughafen, komme um 8 Uhr in der Baseler Innenstadt an, kann aber natürlich noch nicht ins Hotelzimmer. Laufe mehrere Stunden lang herum, darf schließlich endlich in mein Zimmer. Hektische Telefonate mit meinen Eltern: Luzie kann entlassen werden, die Klinik braucht aber eine Vollmacht, damit meine Eltern sie mitnehmen dürfen. Ich schreibe ein Fax an die Klinik und schicke es vom Hotel aus. Zum Glück ist das Telefonabrechnungssystem des Hotels kaputt, sonst wäre ich ein Vermögen für Anrufe auf deutschen Handys losgeworden. Absolviere nachmittags und am folgenden Vormittags Bewerbungsprozeduren, bin hinterher so müde, dass ich den Nachmittag auf einer Bank am Flughafen verbringe, weil ich natürlich nicht mehr in mein Zimmer kann und zu erschöpft bin, um mir noch was anzuschauen.

Um acht Uhr abends bin ich wieder zuhause. Die Kinder freuen sich riesig über meine Rückkehr. Luzies Fuß geht es besser, sie darf auch wieder in die Kita. Zwei Tage ohne Papa müssen wir noch überstehen (während die Kinder in der Kita sind, schlafe ich erstmal aus), dann wird am Wochenende der Kuchen gebacken, den ich Luzie aus lauter schlechtem Gewissen versprochen hatte, als ich sie in der Klinik zurücklassen musste… Heute freut sich die Kindergartengruppe über einen Schokokuchen mit Gummibärchen und Smarties. Ist immerhin noch etwas Gutes aus der ganzen Sache geworden. :)