Archiv für Juni 2009

Mindmap-Software für den Mac

Ein Beitrag zum Themengebiet Computer & Internet, geschrieben am 26. Juni 2009 von Johanna

Eine Fortbildung hat mich inspiriert, einen Versuch mit dem Mindmap-Prinzip zur Strukturierung meiner Fakten und Thesen für Vorträge oder Publikationen zu unternehmen. Obwohl ich ein gewisses Widerstreben gegen die Verwendung von hochgehypeten Management-Techniken für meine wissenschaftliche Arbeit hege, bin ich vom Ergebnis ziemlich angetan: Die Methode zwingt zur Strukturierung und ist ein schneller Weg, mehr Ordnung, Übersichtlichkeit und Logik in beliebiges Material zu bringen.

Dankenswerterweise herrscht kein Mangel an Freeware-Programmen zur Visualisierung. Hier ein paar Links zu Mac- bzw. plattformübergreifenden Programmen:

Mindnode. Es gibt eine Freeware- und eine Bezahlversion, die mir nur unwesentlich mehr Features zu haben scheint. Vorteil: Extrem einfach zu benutzen, sehr intuitiv, dem freien Malen sehr ähnlich. Nachteil: Bilder, Icons usw. gehen nicht, Layout-Möglichkeiten (Farbigkeit, Einkringeln usw.) sind begrenzt bis nicht vorhanden; man kann zwar sehr große Maps und auch mehrere auf einem Blatt erstellen, hat aber beim Ausdrucken keine sinnvollen Optionen zur Aufteilung in Unterseiten. Kann in unterschiedlichen Formaten (u.a. RTF, HTML, PDF) speichern, dann z.T. als Bullet-Point-Liste. Reine Mac-Software, daher kein Austausch mit Windows- oder Linuxnutzern möglich. Für den schnellen Einstieg und simple Mindmaps super, nichts für größere Ansprüche

XMind Auch hier gibt es eine kostenlose und eine Profi-Version. Vorteile: Open Source, plattformunabhängig; Einfügen von Bildern und Icons möglich; viele Gestaltungsmöglichkeiten. Nachteil: Keine Mac-Oberfläche (d.h., ein bisschen unschön und unhandlich bei Dateiauswahl u.ä.), unflexibler als Mindnode bei der graphischen Gestaltung der Linien und Knoten, weniger durch Draufzeigen-und-Klicken zu bedienen als Mindnode (alles geht über Menüs und Kontextmenüs oder Tastaturkürzel, die man erst lernen muss). Das Drucken von komplexeren Maps habe ich noch nicht probiert. Die Import- und Exportfunktionen der kostenlosen Version sind eingeschränkt, aber ausreichend. Das Programm erlaubt das Einfügen längerer Texte (z.B. Zitate) als Notizen, was für Vorträge sehr praktisch ist.

FreeMind Die Benutzeroberfläche und auch das Resultat finde ich persönlich optisch am wenigsten ansprechend. Kann ebenfalls Icons und Bilder benutzen. Plattformunabhängig. Viele Buttons zur graphischen Gestaltung. Bietet den Ausdruck oder Export einzelner Zweige an, was sehr praktisch sein kann. Vorteil: Es gibt nur eine, nämlich die kostenlose, Version.

Eher für wirklich komplexe Projekte geeignet scheint mir Compendium zu sein, das sah so kompliziert aus, dass ich mich nicht weiter damit befasst habe… Aber es sei der Vollständigkeit halber erwähnt.

Chicago Style und BibTeX

Ein Beitrag zum Themengebiet Computer & Internet, Wissenschaft, geschrieben am 3. Juni 2009 von Johanna

Gerade gehe ich der unsagbar aufregenden Aufgabe nach, einen Sammelband mit 16 Beiträgen zu setzen. Da ich mich weigere, dafür Word oder Word-Klone wie OO zu benutzen (meine aus Diss-Erfahrung gespeiste Prognose: das Programm wird genau dann anfangen, ständig abzustürzen oder irrationales Verhalten zu produzieren, wenn ich zu viel Arbeit investiert habe, um noch umzusteigen), setze ich das Ding jetzt in LaTeX, was immerhin besser aussieht und voraussichtlich am Ende weniger Probleme produzieren wird, aber dafür im Vorfeld umso mehr.

Ich will jetzt gar nicht über die vielen kleinen Nervigkeiten heulen (deren Lösung ich im Zweifel immer noch befriedigender finde als den ganzen Word-Frust), aber eine ganz, ganz megagroße Nervigkeit muss ich jetzt mal loswerden: ES GIBT FÜR LATEX KEINEN BIBTEX-STIL, DER DEM AKTUELLEN CHICAGO STYLE ENTSPRICHT, UND DAS IST GEMEIN UND UNGERECHT!

Es ist vor allem deswegen gemein, weil es natürlich durchaus einen vorinstallierten Stil namens Chicago gibt. Es gibt auch einen Natbib-Stil namens Chicago. Es gibt 1005 andere Stile, die sich Chicagoirgendwas nennen. Aber sie alle reproduzieren ausnahmslos das Chicago Manual of Style in der 13. Auflage von vor 20 Jahren oder so, und das ist leider nicht mal entfernt identisch mit den heute geltenden Regeln (15. Auflage), die der Verlag aber von mir umgesetzt sehen will!

Es gibt meiner Recherche nach nur zwei halbwegs annehmbare Lösungen, wenn man gezwungen ist, einen Zitierstil zu verwenden, der dem aktuellen Chicago Manual of Style entspricht. Die eine heißt ChicagoReedWeb, basiert auf Natbib und hat bei mir keine wirklich befriedigenden Ergebnisse produziert, weil fehlende Heftnummern bei Zeitschriften oder fehlende Verlagsangaben nicht erkannt wurden und sinnlose Satzzeichen im Zitat stehen blieben. Die andere heißt biblatex-chicago-notes-df und geht nur mit Biblatex, was v.a. deswegen nervt, weil Biblatex nicht mit XeTeX geht und ich aber bereits angefangen hatte, den Band in XeLaTeX zu setzen. *seufz* Beide Lösungen gehen übrigens nur für die Variante mit Fußnoten, nicht für den author-year-Stil, den ich eigentlich präferiert hätte, der aber nicht auffindbar war. Ja, ich weiß… es gibt custombib. Sorry, keine Zeit, keine Lust. :(

Gibt es nicht irgendeinen BibTeX-Helden, der den Chicago-Style mal auf die aktuellen Anforderungen umstellen will? Das wäre einen Orden wert.

Viel Lärm um (fast) nichts

Ein Beitrag zum Themengebiet Familie, Gesellschaft, geschrieben am 3. Juni 2009 von Johanna

Am Freitag holte ich Luzie um 17 Uhr mit gelb verklebten Augen aus der Kita ab. Leidgeprüfte Eltern von Kitakindern wissen: Klarer Fall, bakteriell verursachte Bindehautentzündung. Antibiotische Augentropfen (z.B. Refobazin) verschaffen schnelle Abhilfe und verhindern eine Infektion bei Geschwistern und anderen Familienmitgliedern. Nur, woher freitagabends nehmen und nicht stehlen? Denn die Dinger sind dummerweise rezeptpflichtig. Unsere Hausarztpraxis, die einst durch famose Öffnungszeiten glänzte, schränkt diese immer mehr ein, weil die aktuelle Gebührenordnung und der (berlintypische) Mangel an Privatpatienten offenbar dazu führen, dass es sich nicht mehr rentiert, freitags bis 19 Uhr Patienten zu versorgen. Die Apotheke rückte natürlich nur sauteure homöopathische Augentropfen von Weleda raus, die angeblich todsicher helfen und überhaupt. Tja, am Samstag morgen kriegte Luzie das eine Auge überhaupt nicht mehr auf. Sorry, wenn ich damit jemandem auf den Schlips trete, aber ich glaube nicht an Homöopathie, und die diesbezügliche Erfolgsquote war bei uns so niedrig, dass man ebensogut auf die Selbstheilungskräfte des Körpers vertrauen kann. Dieses Vertrauen schien mir aber nicht so recht angebracht angesichts der Tatsache, dass ich um 12.32 Uhr mit beiden Kindern den ICE nach Frankfurt nehmen wollte, um dort die Pfingsttage zu verbringen… Lorenz war bereits nach Frankreich geflogen. Es hieß also Sachen packen, Kinder anziehen und mit Müsli versorgen, Kinder und Gepäck schnappen und eine umständliche Reise mit der S-Bahn (allein kein Problem, mit Rucksack, Trolley und einer im Schneckentempo laufenden Dreijährigen aber schon) zum Klinikum Westend antreten, wo samstags vormittags ein kinderärztlicher Bereitschaftsdienst zur Verfügung steht. Wie durch ein Wunder mussten wir dort wenigstens nur genau 0 Minuten warten und bekamen ein Rezept für… Refobazin, also genau das Medikament, das ich auch ohne Arztbesuch in der Apotheke gekauft hätte, wenn es denn nicht rezeptpflichtig wäre. *seufz* Der Klinikbesuch hatte noch nicht einmal den Nutzen, dass wir für das Medikament nichts bezahlen mussten, denn der diensthabende Arzt hatte keine Kassenzulassung. Rein theoretisch könnten wir natürlich diese Woche zu unserem Kinderarzt gehen, ein Kassenrezept besorgen, zur Apotheke in Spandau (denn am dortigen Bahnhof haben wir die Tropfen gekauft) fahren und uns die 12 Euro erstatten lassen, aber: da ist locker ein halber Tag weg, und für so wenig Stundenlohn arbeite ich nicht. *grrr* Ist das alles sinnvoll? Ich bezweifle es. Wenn es sich schon für Kassenärzte partout nicht lohnen darf, ihren Patienten kundenfreundliche Öffnungszeiten vor Ort anzubieten, warum kann dann so trivialer Krempel nicht wenigstens rezeptfrei sein?