Archiv für April 2009

XeLaTeX!

Ein Beitrag zum Themengebiet Computer & Internet, Wissenschaft, geschrieben am 30. April 2009 von Johanna

Nachdem ich meine Habilitationsschrift mit LaTeX geschrieben habe, was für den Textsatz super ist, aber für die arabische Transliteration gewisse Schwierigkeiten beinhaltet, habe ich erst letzte Woche XeLaTeX entdeckt, das es erlaubt, alle auf dem Computer installierten Zeichensätze zu verwenden – einschließlich der Unicode-Schriften, die alle Transliterationszeichen beinhalten, die man so braucht. Klappt fantastisch. Jetzt kann man LaTeX für orientalistische Arbeiten uneingeschränkt* empfehlen.

Bei herkömmlichem LaTeX hat man das Problem, das man nur für LaTeX vorinstallierte Schriften verwenden kann. Diese wiederum können nicht alle Unicode-Zeichen, insbesondere kein Arabisch und auch keine vollständige arabische Transliteration. Es gibt dafür mehrere Lösungen. Die eine davon ist das ArabTeX-Paket, das sehr schönes Arabisch setzt und auch die Umschrift der DMG kann, aber leider, leider nicht mit BibTeX zusammenarbeitet, d.h., dass man die ganzen arabischen Titel, die man in seiner Literaturdatenbank stehen hat, nicht automatisch in die Fußnoten transferiert bekommt, sondern doch wieder manuell eingeben muss, mit allen damit verbundenen Nachteilen. Die andere Lösung sieht so aus, dass man statt DMG die IJMES-Umschrift, auch für die Literaturangaben, verwendet. Punkte unter den Buchstaben und Striche über den Vokalen kriegt man nämlich mit LaTeX-Kommandos problemlos hin; man kann auch seinen Editor so einstellen, dass er diese Kommandos automatisiert bei bestimmten Tastenkombinationen setzt, so dass man bequem tippen kann. Das Problem sind ‘Ayn und Hamza. Es gibt ein Paket „Semtrans“, das diese Zeichen beinhaltet, die sind aber auf Times 11pt ausgelegt und stehen bei jeder anderen Schrift zu tief. Die andere Option ist das Paket ipa, das kann aber nur ʿAyn, so dass man statt Hamza Apostroph schreiben muss. Das ist die Lösung, die ich für meine Habilschrift gewählt habe; akzeptabel, aber nicht ganz ideal. ArabTeX habe ich für die arabischen Koranpassagen im Text verwendet, die wirklich schön geworden sind, mitsamt der speziellen koranischen Orthographie.

Mit XeLaTeX nun kann man einfach jeden beliebigen Unicode-Zeichensatz und alle darin enthaltenen Zeichen verwenden. D.h., man kann tippen wie in Word (nein, besser, Word für Mac kann nämlich kein Arabisch, XeLaTeX schon) und setzen wie in LaTeX (mit minimalen Einschränkungen, s.u.). Mit der aktuellen TeX-Distribution für den Mac und der aktuellen Version von TeXShop, dem Mac-Editor, geht das superkomfortabel. Der Haken an XeLaTeX und wohl auch der Grund für die bisher geringe Verbreitung ist, dass es keine Dokumentation gibt.

Daher hier eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Änderungen gegenüber herkömmlichem LaTeX – für die dreieinhalb Orientalisten und vergleichbaren Exoten, die ungefähr wissen, wie LaTeX geht:

  • Der Editor muss auf Texteingabe im Unicode-Format eingestellt sein.
  • In der Präambel sollte man fontenc, inputenc und alle Pakete, die etwas mit Zeichensatzauswahl zu tun haben, löschen.
  • Stattdessen lädt man \usepackage{xunicode,fontspec,xltxtra} (Zu fontspec gibt es auch eine Dokumentation).
  • Um Schriften auszuwählen, verwendet man z.B.
    \setmainfont{Gentium}
    \setsansfont{Lucida Grande}
    \setmonofont{Courier New}
  • Wenn man Arabisch schreiben will, fügt man an der entsprechenden Stelle z.B. ein \fontspec{Geeza Pro}, ggf. \raggedleft, ein. Dann schreibt oder kopiert man arabischen Text direkt in das Dokument. Zu beachten ist, dass man danach zum normalen Zeichensatz (\rmfamily) und linksbündigen Schreiben oder Blocksatz zurückkehren muss, es sei denn, man hat das Arabische in einer bestimmten Umgebung verwendet (z.B. quotation), die man einfach beendet.
  • An geeigneten, freien Unicode-Fonts konnte ich identifizieren: Gentium, Charis SIL, TITUS Cyberbit Basic, Palatino (Systemschrift auf dem Mac), DejaVu Serif. Serifenfreie Schriften gibt es wenige, v.a. DejaVu Sans und Helvetica (Systemschrift auf dem Mac). Lucida Grande und Geneva gehen auf dem Mac auch, aber nicht in allen Varianten (Lucida nicht kursiv, Geneva nicht fett…)
  • OpenType-Schriften (Linux Libertine, Minion Pro, Myriad Pro etc.) gehen auch!

Voilà. Für alle, die kein Wort verstanden haben: Es erfordert Einarbeitung, aber erstens fällt der Stress des Endlayouts KOMPLETT weg, und zwar derart komplett, wie man es sich als Word-Nutzer überhaupt nicht vorstellen kann, und zweitens ist das Ergebnis einfach superschön und professionell. Natürlich könnte man einwenden, dass man die Zeit, die man am Endlayout spart, für die Einarbeitung aufwendet, aber die Einarbeitung braucht man halt nur einmal, das Endlayout hingegen bei jedem einzelnen blöden Dokument… Funktioniert natürlich zumeist nicht bei Aufsätzen, die man in den Geisteswissenschaften in aller Regel doch nur als Word- oder RTF-Datei einreichen darf. *grmpf*

*Kleine Einschränkung für LaTeX-Experten: XeLaTex funktioniert nicht mit Microtype, d.h. das Resultat des Satzes ist ein bisschen weniger überragend… aber trotzdem immer noch überragend.

Kastanienblüte

Ein Beitrag zum Themengebiet Berlin, geschrieben am 28. April 2009 von Johanna

Unsere Straße ist gesäumt von Kastanienbäumen (überwiegend rosa blühende, was den Vorteil hat, dass die Miniermotte nicht zuschlägt). Die Kastanienblüte ist für mich die allerschönste Zeit im Jahr. Dieses satte, helle Grün überall und die Blütenkerzen – ich denke jedesmal wieder, das allein schon könnte ein Grund für mich sein, nicht dauerhaft im Süden zu leben. (Ich kann aber umgekehrt verstehen, dass einen dieses ganze Grün auch erschlagen kann, wenn man es nicht gewöhnt ist.) Vielleicht spielen da auch Kindheitserinnerungen mit: Kastanienbäume erhöhen für mich die Lebensqualität deutlich. Ein Pluspunkt für Berlin. :-)

Es ist vollbracht!

Ein Beitrag zum Themengebiet Wissenschaft, geschrieben am 14. April 2009 von Johanna

Na, was wohl. :-)

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