Archiv für Januar 2008

Ein kurzer Link nach Kairo

Ein Beitrag zum Themengebiet Ägypten, geschrieben am 25. Januar 2008 von Johanna

In Kairo gab es ein Metro-Unglück. Wer war schuld? Natürlich die Frauen und ihre schreienden Gören, wer sonst? Hier geht’s zum Bericht von Hatshepsut.

Wenn es ein Türke tut, dann ist es „Islam“

Ein Beitrag zum Themengebiet Gesellschaft, Islam, geschrieben am 25. Januar 2008 von Johanna

Der Anti-Ausländer-Wahlkampf der hessischen CDU ist ja sowieso schon relativ ekelerregend, aber besonders daneben finde ich Äußerungen wie die des Fraktionsvorsitzenden CHRISTean Wagner zum Thema „kriminelle Jugendliche mit Migrationshintergrund“, dokumentiert von Panorama:

„Das Toleranz-Gebot verbietet es uns, Andersgläubige zu verfolgen, sondern wir wollen sie in unseren Reihen aufnehmen, wir wollen sie tolerieren, wir wollen sie integrieren. Aber wir wollen eben nicht bekämpft werden mit unserem Glauben. Und wir wollen nicht den Eindruck haben, als ob wir unterwandert werden nach und nach, hier in unserem Vaterland.“

Ja, wo leben wir eigentlich? In einem Kirchenstaat mit 100% christlicher Bevölkerung, der so gnädig ist, „Andersgläubige“ zu „tolerieren“, solange wir nicht „unterwandert“ werden? Was haben jugendliche Schläger, egal welcher Herkunft, eigentlich mit Religion zu tun? Das Problem mag vielfältige Ursachen haben, wir können gerne über gescheiterte Integration diskutieren, aber das Ganze zu einem Kampf der Religionen hochzustilisieren finde ich verlogen und gefährlich. Da wird dann schnell jeder Moscheeneubau zu einem Symbol dafür, dass Türken hierzulande angeblich ungestraft „anständige“ Deutsche verprügeln dürfen. Ach ja, und natürlich „unterwandern“.

Vor zehn, fünfzehn Jahren wäre unter Garantie niemand auf die Idee gekommen, irgendwelche von Ausländern begangenen Straftaten dem Islam unterzuschieben. Da galt so etwas maximal als kulturelles, ethnisches oder auch (wie abwegig!) soziales Problem. In den Siebzigern und Achtzigern war es ein Gastarbeiterproblem. Heute ist es ein Problem des Islams. Jedem türkischen Schläger sein persönlicher Jihad. Das führt leider dazu, dass sich unter dem Deckmantel der Islamkritik Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, die vor nicht allzu langer Zeit noch als inakzeptabel und rechtsradikal gegolten hätten, frei austoben können und bis in die bürgerliche Mitte vordringen.

Nun ist das so eine Sache mit den Eindrücken. Mag sein, dass Herr Wagner, den Eindruck hat, wir würden unterwandert, aber das kann ja auch an seiner verzerrten Wahrnehmung liegen. Würde ich einfach mal so als Möglichkeit in den Raum stellen… Ich habe jedenfalls bisher noch keinen unbezwingbaren Drang verspürt, mir ein Kopftuch umzubinden und meinem Mann den Rasierer zu klauen. Aber mal sehen, vielleicht klappt es ja dieses Jahr mit dem Minarett in unserem Vorgarten.

Amerikanische Politiker und das Stuhl-Paradigma

Ein Beitrag zum Themengebiet Gesellschaft, geschrieben am 14. Januar 2008 von Johanna

Aus dem britischen Observer, von Armando Iannucci:

Über Barack Obama:

„[…] Trying to make sense of what he’s saying is like trying to wrap mist.

But, rhythmically, it’s quite alluring. It can make anything, even, for example, a simple chair, seem magnificent. Why vote for someone who says: ‚See that chair. You can sit on it‘ when you can have someone like Obama say: ‚This chair can take your weight. This chair can hold your buttocks, 15 inches in the air. This chair, this wooden chair, can support the ass of the white man or the crack of the black man, take the downward pressure of a Jewish girl’s behind or the butt of a Buddhist adolescent, it can provide comfort for Muslim buns or Mormon backsides, the withered rump of an unemployed man in Nevada struggling to get his kids through high school and needful of a place to sit and think, the plump can of a single mum in Florida desperately struggling to make ends meet but who can no longer face standing, this chair, made from wood felled from the tallest redwood in Chicago, this chair, if only we believed in it, could sustain America’s huddled arse.‘

[…]

I listened to all the victory speeches of the winning candidates last week and it was impossible to spot any difference in the message. Mike Huckabee said: ‚This election is not about me, it’s about we‘, while Clinton came up with the variant: ‚You want this election to be about you.‘

[…]

This abandonment of specifics is the opposite of how politics is articulated in Britain. Here, politicians have less power, less international influence and are at the mercy of the markets and even the weather, so they try covering this up with language that is all about pledging and specific target-setting – anything, in fact, that sounds like action.

‚We intend to provide a chair, which, over the next five-year period, will guarantee stability for anyone who sat on it.‘ ‚We will introduce the most sweeping measures yet to ensure that all four chair legs are of exactly the same length and we will measure every leg on the chair twice a year and place those results in national chair-leg database.‘ ‚We will stop other people coming over to use the chair before us.‘

American politicians take time out from their busy lives to makes speeches that sound empty; British politicians fill the emptiness of their lives with words that make them sound busy. The chair, by the way, was made in China.“

War Obama Muslim? Oder Buddhist? Oder UFO-Jünger?

Ein Beitrag zum Themengebiet Islam, geschrieben am 9. Januar 2008 von Johanna

Daniel Pipes setzte sich auf seiner Homepage und im FrontPage Magazine ausführlich mit der Frage auseinander, ob Barack Obama gebürtiger Muslim sei und demzufolge, da er heute unstrittig Mitglied einer christlichen Kirche ist, als murtadd (Apostat, Abtrünniger) betrachtet werden müsse. Dies könne im Falle der Wahl Obamas Auswirkungen auf die Beziehungen zu Staaten der islamischen Welt haben.

Die Argumente lauten unter anderem: Obamas Vater stamme aus einem muslimischen Dorf, sei selber wohl muslimischer Abstammung; während der Schuljahre in Indonesien sei Obama, erst auf einer katholischen und dann auf einer staatlichen Schule, als Muslim registriert gewesen; und er sei dort auch – regelmäßig oder unregelmäßig – in die Moschee gegangen. Nun ja. Ich bin als Kind ziemlich oft in Kirchen gewesen, z.B. mit meiner Großmutter oder in Schulgottesdiensten, obwohl ich nie Christin war. In einer muslimischen Umwelt auch mal in eine Moschee zu gehen halte ich für nicht so ungewöhnlich, gerade in Indonesien, wo die religiösen Kulturen traditionell ziemlich hybrid waren. Da sich jeder Indonesier als Anhänger einer der fünf staatlich zugelassenen Religionen registrieren lassen muss, gelten die meisten Menschen im Zweifelsfall üblicherweise als Muslime, weil das eben die Mehrheitsreligion ist. Aus den Dokumenten, die Pipes zitiert, scheint mir hauptsächlich hervorzugehen, dass Obama weitgehend religiös indifferent aufgewachsen ist bzw. dass in seiner Kindheit sowohl der Islam als auch das Christentum vorkamen.

Aber selbst wenn! Selbst wenn Obama als Sohn eines nicht praktizierenden Muslims aus Sicht eines muslimischen Betonkopfes als Muslim gilt, unabhängig davon, ob er selbst z.B. den Einfluss der christlichen Mutter höher bewertet oder sich einfach schon früh gegen den Islam entschieden hat – welches Spiel spielt Daniel Pipes eigentlich, wenn er die muslimische Betonkopfsicht für maßgeblich erklärt und zudem noch große Anstrengungen unternimmt, um Obamas Status als Ex-Muslim mit Belegen zu versehen? Will er den Islamisten Argumente für Morddrohungen, wenn nicht gar Anschläge liefern? Will er auf diesem Weg einem breiteren Publikum beweisen, wie intolerant der Islam ist? Oder will er doch nur Obama diskreditieren, auf die etwas geschicktere Art: Okay, er ist zwar kein Muslim, aber dafür Apostat, was zwar irgendwie nicht seine Schuld ist, aber, hmm, vielleicht doch ein Problem…

Wem wirklich an Religionsfreiheit gelegen ist, der sollte sich strikt weigern, die religiöse Selbstzuschreibung von Menschen in Frage zu stellen und die Apostasie-Fatwas reaktionärer Muftis vorwegzunehmen, noch bevor diese überhaupt selbst auf den Trichter gekommen sind. Obama sagt, er sei Christ und nie Muslim gewesen. Fertig. Alles andere sollte niemanden interessieren. Sonst fange ich demnächst spaßeshalber an, Leute aus der katholischen Kirche zu exkommunizieren. „Bin zwar keine Katholikin, aber man wird ja wohl mal fragen dürfen, wie der Papst das fände, was du da tust…“