Archiv für Dezember 2006

Die German University in Cairo…

Ein Beitrag zum Themengebiet Gesellschaft, Islam, Wissenschaft, geschrieben am 28. Dezember 2006 von Johanna

… hat auf Anweisung des ägyptischen Ministeriums für höhere Bildung einen jungen wissenschaftlichen Mitarbeiter im Fachbereich Physik gefeuert, weil er als Baha’i keinen Personalausweis erhielt (ich berichtete) und dadurch kein Bankkonto eröffnen konnte, um Gehaltszahlungen zu empfangen (vgl. Bericht hier). Die German University wird wesentlich von den deutschen Universitäten Ulm und Stuttgart getragen, hat prominente deutsche Politiker, Akademiker und Institutionen als Förderer und Schirmherren.
Ich würde von einer deutschen Institution erwarten, dass sie diesen eklatanten Verstoß gegen die Religionsfreiheit nicht klaglos mitträgt. Es geht hier nicht um die Frage, ob die ägyptischen Baha’is Anspruch auf Anerkennung ihrer Glaubensgemeinschaft haben sollten, sondern um eine staatliche Praxis, die ihnen alle Bürgerrechte und jegliche Chance auf ein geregeltes Leben nimmt. Dass die German University in dieser Situation keinerlei Loyalität mit ihrem Mitarbeiter bewiesen hat, ist ein Armutszeugnis.

Ein Zimmer im Haus des Krieges

Ein Beitrag zum Themengebiet Bücher, Islam, geschrieben am 28. Dezember 2006 von Johanna

Den neuen Roman von Christoph Peters würde ich nicht ganz in den Rängen der großen Weltliteratur ansiedeln, aber ich halte ihn allemal für äußerst lesenswert. Sein Thema ist der gewalttätige politische Islamismus im Ägypten der frühen 90er Jahre, personifiziert in der Person eines fiktiven Deutschen, Jochen „Abdallah“ Sawatzky, der sich zum Islam bekehrt hat und an einem vereitelten Anschlag beteiligt war, in dessen Zuge er Menschen getötet hat. So weit, so ungewöhnlich.

Der Roman fragt nun weder danach, was unser Schulsystem falsch gemacht hat (oder waren es das Fernsehen oder die Killerspiele?), noch dringt er allzu tief in die Lebensgeschichte Sawatzkys ein. Nein, die Frage, die er stellt, ist viel mutiger: Was kann uns die Konfrontation mit dem Täter über unser eigenes Leben, seinen Sinn oder Unsinn, und die Werte unserer Gesellschaft sagen? (Dass die Antwort nicht ganz platt lautet „wir müssen für ein höheres Ziel Unschuldige umbringen“, versteht sich.)

Der ebenfalls fiktive deutsche Botschafter Claus Cismar, die eigentliche Hauptfigur des Romans, sieht sich in der Auseinandersetzung mit Sawatzky, dessen Auslieferung nach Deutschland er erreichen will, auf diese Frage gestoßen, und letztlich scheitert er an ihr – zu unerträglich erscheinen ihm die Antworten und zu weit reichend die Schritte, die sie erfordern würden. Die 68er Ideale seiner Jugend hat er aufgegeben für eine Diplomatenkarriere, die ihm spannender erschien als ein bürgerliches Rechtsanwaltsdasein, ohne dass sie ihn in Konflikt mit seinem Vater und den Erwartungen der Gesellschaft gebracht hätte. Der früher einmal geplante Marsch durch die Institutionen hat den Institutionen nichts anhaben können – aber ihm selbst? Er führt ein „Leben ohne Mitte“, seine Tage vergehen durch Arbeit, Zerstreuungen und eine oberflächliche, kinderlose Ehe, doch mit der Frage, wer er ist und woran er glaubt, hat er sich seit Jahrzehnten nicht mehr auseinandergesetzt. Umso verstörender für ihn ist die Begegnung mit einer Person, die bereit ist, für den Glauben alles zu geben. Die lieber mit 30 im Dienste Gottes sterben möchte als 90 Jahre lang ein sinnentleertes Leben zu führen. Cismar versucht, sich in den deutschen Islamisten hineinzuversetzen; er beginnt, sein Leben zu reflektieren, und kleine Ausbrüche zu wagen; doch zu großen Schritten ist er nicht bereit, und die innere Zerrissenheit ist auf Dauer nicht zu ertragen. Letztlich scheitert er und tritt die Flucht an: die Flucht vor sich selbst, vor der Frau, die er lieben könnte, und vor den quälenden Fragen nach dem Sinn.

Die Schilderung Ägyptens im Jahr 1993, des politischen und gesellschaftlichen Klimas und der Stadt Kairo ist beeindruckend und gelungen. Der Versuch, sich in die Gedanken eines deutschen islamistischen Terroristen hineinzuversetzen, ist ausgesprochen mutig und scheint mir überzeugend geraten zu sein, mitsamt den inneren Brüchen, gegen die Sawatzky beharrlich kämpft, da er fürchtet, dass sie ihn von Gott ablenken. Die billige und bequeme Erklärung der religiösen Paranoia, in die sich Cismar gegen Ende flüchtet, erklärt eigentlich gar nichts.

Was das Arabisch bzw. die Übersetzungen angeht, erspare ich mir das Herummäkeln an Kleinigkeiten, möchte aber doch anmerken, dass „Gott ist größer“ eine schlechte, wenn auch sprachlich zulässige, Wiedergabe von „Allahu akbar“ ist – die Form akbar ist hier ein Elativ in der Bedeutung „sehr groß“.

Apfel-Tiramisu mit Mandelkrokant

Ein Beitrag zum Themengebiet Kochen, geschrieben am 25. Dezember 2006 von Johanna

Für 6 Personen

Zutaten:

100 g Löffelbiscuits
3 große Boskoop-Äpfel
3 EL Apfelschnaps (für Antialkoholiker: kann man auch weglassen)
100ml Apfelsaft
1 Zitrone
1 St. Sternanis
5 Kardamomkapseln
300g Mascarpone
4 Eigelb
1 Pk. Vanillezucker
100 g Rohrohrzucker
150ml Schlagsahne
40g Mandelblätter
5 EL Zucker
2 EL Butter
5 EL Ahornsirup

Äpfel schälen und würfeln. Mit der halbierten Zitrone, dem Apfelsaft, Sternanis und Kardamom in einen Topf geben, aufkochen und zugedeckt köcheln lassen, bis die Äpfel weich sind. Zur Seite stellen und abkühlen lassen.

Sahne steif schlagen. Eigelb mit Vanillezucker und Zucker dickschaumig schlagen. Mascarpone unterrühren. Sahne unterheben.

Eine viereckige Form mit Löffelbiscuits auslegen. Apfelschnaps darüber träufeln. Die Äpfel über den Löffelbiscuits verteilen. Mascarponecreme darauf verstreichen.

Mandeln in einer beschichteten Pfanne anrösten. Aus der Pfanne nehmen. Zucker bei hoher Temperatur zerlassen. Butter und Ahornsirup unterrühren. Mandeln unterheben, unter ständigem Rühren eine Minute rösten. Vom Feuer nehmen. Krokant etwas abkühlen lassen, zerstoßen und über das Tiramisu verteilen.

Mehrere Stunden oder über Nacht durchziehen lassen.

Blogs, Zivilgesellschaft und Menschenrechte

Ein Beitrag zum Themengebiet Islam, Wissenschaft, geschrieben am 22. Dezember 2006 von Johanna

Die ägyptischen Baha’is haben ihren Prozess verloren. Das Oberste Verwaltungsgericht hat geurteilt, dass Baha’is, die sich weigern, wahrheitswidrige Angaben zu machen (indem sie ihre Religionszugehörigkeit als Muslim oder Christ oder Jude angeben) keinen Anspruch auf einen Personalausweis haben – die neue Praxis der Regierung, keine als diese drei Religionen mehr zuzulassen (also auch nicht die Angabe „keine“, einen Strich, ein Freilassen des Feldes o.ä.) wurde sanktioniert. Das ist eine schlechte Nachricht für die schätzungsweise 1000-2000 ägyptischen Baha’is, denn ohne Personalausweis können sie im neuen Jahr theoretisch jederzeit verhaftet werden, sie können ihre Kinder nicht in der Schule anmelden, kein Konto eröffnen, keine Gehälter und Renten erhalten, keine Betriebe gründen, keinen Mobilfunkvertrag abschließen, keine Geburts- und Sterbeurkunden erhalten… Kurz, bitter gesagt, sie können eigentlich nur emigrieren (ohne Reisepass?), aber das wollen sie – allesamt seit vielen Generationen Ägypter – nicht.

Die gute Nachricht: Zum ersten Mal haben sich Teile der ägyptischen Zivilgesellschaft hinter sie gestellt, und zwar insbesondere aus der Bloggerszene. Ägyptische Blogs, die sich generell in der Forderung nach Demokratisierung und Menschenrechten hervortun, riefen zu einer Mahnwache auf, uns tatsächlich stellten sich junge Ägypter muslimischen oder christlichen Hintergrunds vor dem Gericht auf und forderten auf Tafeln das Recht der Baha’is auf Religionsfreiheit. Diese Präsenz war nicht unbedeutend, denn die Fernsehsender (u.a. al-Jazeera), die live von der Gerichtsverhandlung berichteten, konnten so auch anderes zeigen als die bärtigen Männer und kopftuchtragenden Frauen, die „Allahu akbar“ schreiend Gott für die Niederlage der Baha’is dankten.

Vielleicht ist es auch der Einfluss der Blogs und immer aktiveren ägyptischen Menschenrechtsszene, der zu einer differenzierteren und vielfältigeren Medienberichterstattung führte, als es in früheren Jahren der Fall war.

Es gibt also frischen Wind – aber den Baha’is hilft das momentan leider wenig. Jetzt kann man eigentlich nur noch hoffen, dass andere Staaten Druck auf Ägypten ausüben, denn der Rechtsweg ist für die Baha’is ausgeschöpft. Nur der Gesetzgeber kann hier noch etwas bewirken. Leider scheint sich in Deutschland niemand für das Thema zu interessieren; in den deutschen Medien herrscht Schweigen.