Archiv für April 2006

Ich hasse Umzüge!

Ein Beitrag zum Themengebiet Über diese Seite, geschrieben am 23. April 2006 von Johanna

Alles ist voll Kisten, wir haben kein Telefon, die Küche funktioniert nicht, und ins Internet komme ich nur kurz zwischendurch. Daher zur Zeit Funkstille. Demnächst wieder mehr in diesem Blog. :-)

Putengeschnetzeltes – schnell und lecker

Ein Beitrag zum Themengebiet Kochen, geschrieben am 13. April 2006 von Johanna

Zutaten für 3 Personen:

450g Putengulasch oder -geschnetzeltes
200ml Sahne
1 EL Butter
1 geh. TL Garam Masala (indische Gewürzmischung)
3 EL Rosinen
3 EL Pinienkerne
Salz
Pfeffer

Pinienkerne in einer kleinen Pfanne ohne Fett anrösten.

Butter bei mittlerer bis hoher Hitze zerlassen, Putenfleisch unter Rühren anbraten. Aus der Pfanne nehmen. Garam Masala in die Pfanne geben und kurz anrösten. Sahne portionsweise hinzugeben und einkochen. Hitze reduzieren. Putenfleisch und Rosinen hinzugeben und ca. 10 Minuten garen. Salzen und pfeffern. Mit Reis servieren.

Kein Nachwuchs für den Wissenschaftsnachwuchs

Ein Beitrag zum Themengebiet Gesellschaft, geschrieben am 7. April 2006 von Johanna

In der ZEIT von gestern kann man es lesen: 78% der Wissenschaftlerinnen (ab Beginn der Promotion) und 70% der männlichen Wissenschaftler sind kinderlos; in der Altersgruppe von 37 bis 42 sind es immerhin noch 58 bzw. 50%. Kein Arbeitgeber ist so schlecht auf Familien eingestellt wie die Hochschulen. Wer seine Arbeitszeit reduziert, aussetzt, nicht jedes Jahr ein neues befristetes Projekt an einem neuen Ort anfängt, auf die Postdoc-Stelle im Ausland verzichten muss und sich nicht jede Woche auf einem anderen Kongress blicken lässt, der hat oft ein Karriereproblem. Und das totale Fehlen von unbefristeten, vernünftig bezahlten Stellen unterhalb der Professur ist nicht dazu geeignet, Sicherheit zu schaffen, auf der sich eine Familie gründen lässt. Schon gar nicht, wenn man für jede neue Stelle einen Ortswechsel in Kauf nehmen muss und die Hochschule keine Kinderbetreuung für ihr wissenschaftliches Personal anbietet. Dazu kommt ein Hochschulrahmengesetz, das eine Zwölf-Jahres-Frist nach Studienabschluss für den Weg zur Professur vorsieht und nur Mutterschutz und komplette Auszeiten, aber keine Teilzeittätigkeiten aufgrund von Kinderbetreuung darauf anrechnet. Kein Wunder, dass die Frauen umso rarer werden, je höher es in der wissenschaftlichen Hierarchie geht. Die deutschen Hochschulen brauchen statt Exzellenzinitiativen vor allem endlich mal Stellen mit Perspektive, anstatt von jungen Wissenschaftlern weiterhin zu erwarten, dass sie sich als hochqualifizierte Akademiker „nur“ zwölf Jahre lang mit befristeten, miserabel bezahlten Tätigkeiten herumschlagen, Ortswechsel und existenzielle Unsicherheit in Kauf nehmen und dabei bitte weder in die Wirtschaft noch ins Ausland wechseln. Für den Nachwuchs sorgen kann ja dann die „Frau an seiner Seite“, die ihre Promotion auf Eis liegen hat und irgendwann mal fertigbasteln will, wenn die Kinder in die Schule gehen.

Gute Nachrichten für die ägyptischen Baha’is

Ein Beitrag zum Themengebiet Islam, geschrieben am 7. April 2006 von Johanna

Ein ägyptisches Gericht hat vor wenigen Tagen eine Entscheidung von der Sorte gefällt, die ich am liebsten noch nachträglich in meine vor 3 Jahren veröffentlichte Dissertation aufnehmen würde. Das Verwaltungsgericht (im Staatsrat?) hat am 4. April zugunsten eines Baha’i-Ehepaares und gegen den Innenminister entschieden, dass Baha’is ihre Religionszugehörigkeit in staatlichen Ausweisen und Dokumenten angeben dürfen. Dies war zwar schon 1983 von der Rechtsprechung vorgegeben worden, aber nicht alle staatlichen Stellen hielten sich daran; und 2004 beschloss das Innenministerium (meines Wissens im Zusammenhang mit der Einführung maschinenlesbarer Ausweise), dass Baha’is sich entweder als Muslime oder als Christen registrieren lassen müssten – so die Presse. (Gemäß der Logik des ägyptischen und islamischen Rechts müsste eigentlich auch eine Registrierung als Jude möglich sein, aber wer macht das dort schon freiwillig, wenn er kein Jude ist?)

Im Unterschied zu früheren Auseinandersetzungen um den Status der Baha’is haben sich diesmal Menschenrechtsgruppen für sie engagiert; sie schreiben das Urteil auch ihrer Lobbyarbeit zu. Ob diese Einschätzung stimmt oder nicht, es spricht jedenfalls für die Entwicklung der ägyptischen Zivilgesellschaft, dass es mittlerweile Organisationen gibt, die die Einmischung in einen Fall von „Häresie“ nicht scheuen. Das sah in den neunziger Jahren noch ganz anders aus.

Mehr Infos (auf Englisch) hier

Wandelnde Gebärmütter und -väter

Ein Beitrag zum Themengebiet Gesellschaft, geschrieben am 2. April 2006 von Johanna

Es gibt ja jetzt – u.a ausgelöst durch das Minimum-Buch (s.u.) – tatsächlich eine Debatte um die Tatsache, dass hierzulande nur noch so wenige Kinder geboren werden. Manche der Reaktionen insbesondere aus dem linken Lager (mit dem ich ansonsten nicht selten sympathisiere, auch wenn ich mich ungern selbst in Schubladen einordne) erscheinen mir allerdingsarg hysterisch. Angeblich wollen Schirrmacher und Konsorten die Frauen unter dem Deckmantel des Lobes ihrer angeborenen sozialen Fähigkeiten zu „wandelnden Gebärmüttern“ degradieren und zurück an den Herd verweisen. Ich habe so etwas bei Schirrmacher nirgendwo gelesen. Meines Erachtens hat sein Buch Appellcharakter an Männer wie an Frauen (oder eben an keine von beiden, wie man’s nimmt). Schließlich haben die meisten Kinder auch Väter. Ich vermute, dass hinter den negativen Reaktionen eine reflexhafte Abwehr jedes Gedankengangs steht, der Frauen andere Eigenschaften als Männern – über das rein körperliche hinaus – zuspricht. „Aha, Frauen sind angeblich anders, also mal wieder nur zur Hausfrau und Mutter zu gebrauchen. Im Dritten Reich hatten wir das schon mal, jaja.“ Genausogut könnte man behaupten, Schirrmacher wolle alle Männer zu Holzfällern degradieren. Eine solche Unterstellung gäben seine Beispiele ebenso her.

Am schönsten fand ich den Kommentar des SZ-Magazins, der (von einem Mann verfasst) denjenigen kinderlosen Frauen, denen jetzt, wo die Gesellschaft nach Kindern schreit, die letzte Lust aufs Gebären vergeht, sein vollstes Verständnis ausspricht. Wer sich von gesellschaftlichen Debatten die Lust auf Kinder nehmen lässt, hat wahrscheinlich eh keine gehabt.
Ich habe kein Problem damit, eine „wandelnde Gebärmutter“ zu sein. Ich habe ein positives Verhältnis zu meiner Gebärmutter; sie hat mir schon gute Dienste geleistet. Ein Gehirn habe ich trotzdem und außerdem noch. Dass meine Kinder neuerdings enorm nützlich für die Gesellschaft sein sollen, tut meinem Selbstwertgefühl ebensowenig Abbruch. Ich habe meine Kinder nicht für das Rentensystem bekommen, aber wenn sie es sichern helfen, so what?

Ich stehe übrigens meist ganz gern in der Küche. Nur bitte nicht den ganzen Tag.