Es gibt ja jetzt - u.a ausgelöst durch das Minimum-Buch (s.u.) - tatsächlich eine Debatte um die Tatsache, dass hierzulande nur noch so wenige Kinder geboren werden. Manche der Reaktionen insbesondere aus dem linken Lager (mit dem ich ansonsten nicht selten sympathisiere, auch wenn ich mich ungern selbst in Schubladen einordne) erscheinen mir allerdingsarg hysterisch. Angeblich wollen Schirrmacher und Konsorten die Frauen unter dem Deckmantel des Lobes ihrer angeborenen sozialen Fähigkeiten zu “wandelnden Gebärmüttern” degradieren und zurück an den Herd verweisen. Ich habe so etwas bei Schirrmacher nirgendwo gelesen. Meines Erachtens hat sein Buch Appellcharakter an Männer wie an Frauen (oder eben an keine von beiden, wie man’s nimmt). Schließlich haben die meisten Kinder auch Väter. Ich vermute, dass hinter den negativen Reaktionen eine reflexhafte Abwehr jedes Gedankengangs steht, der Frauen andere Eigenschaften als Männern - über das rein körperliche hinaus - zuspricht. “Aha, Frauen sind angeblich anders, also mal wieder nur zur Hausfrau und Mutter zu gebrauchen. Im Dritten Reich hatten wir das schon mal, jaja.” Genausogut könnte man behaupten, Schirrmacher wolle alle Männer zu Holzfällern degradieren. Eine solche Unterstellung gäben seine Beispiele ebenso her.
Am schönsten fand ich den Kommentar des SZ-Magazins, der (von einem Mann verfasst) denjenigen kinderlosen Frauen, denen jetzt, wo die Gesellschaft nach Kindern schreit, die letzte Lust aufs Gebären vergeht, sein vollstes Verständnis ausspricht. Wer sich von gesellschaftlichen Debatten die Lust auf Kinder nehmen lässt, hat wahrscheinlich eh keine gehabt.
Ich habe kein Problem damit, eine “wandelnde Gebärmutter” zu sein. Ich habe ein positives Verhältnis zu meiner Gebärmutter; sie hat mir schon gute Dienste geleistet. Ein Gehirn habe ich trotzdem und außerdem noch. Dass meine Kinder neuerdings enorm nützlich für die Gesellschaft sein sollen, tut meinem Selbstwertgefühl ebensowenig Abbruch. Ich habe meine Kinder nicht für das Rentensystem bekommen, aber wenn sie es sichern helfen, so what?
Ich stehe übrigens meist ganz gern in der Küche. Nur bitte nicht den ganzen Tag.