Archiv für das Themengebiet 'Wissenschaft'

Brill-Buch in LaTeX

Ein Beitrag zum Themengebiet Computer & Internet, Wissenschaft, geschrieben am 1. September 2010 von Johanna

Voraussichtlich im November wird meine Habilschrift bei Brill erscheinen. Ich habe sie in LaTeX selbst gesetzt und musste dafür jede Menge Probleme lösen, die vielleicht nur Geisteswissenschaftler haben - jedenfalls habe ich im Internet nichts dazu gefunden und brauchte öfters die Hilfe von Leuten, die sich mit LaTeX viel besser auskennen als ich. Damit eine künftige Google-Suche anderen in ähnlicher Lage mehr Erfolg bringt, hier ein kurzer Überblick:

\documentclass[twoside,fontsize=10.5pt,pointlessnumbers,parindent,
german,cleardoubleempty,headings=twolineappendix,toc=index]{scrbook}
\setlength {\paperheight}{240mm}
\setlength {\paperwidth}{160mm}
\usepackage[inner=18mm,outer=33mm,top=27mm,bottom=31mm]{geometry}
\setlength{\headsep}{4mm} %Abstand Kopfzeile - Text
\setlength{\skip\footins}{3mm} %Abstand Text - Fußnoten

Eigentlich will Brill andere Seitenränder als hier eingestellt, z.B. oben 17mm statt 27, aber aus irgendeinem Grund scheint genau diese Einstellung das gewünschte Ergebnis zu liefern.

Dann das Übliche:

\usepackage[ngerman]{babel}
\usepackage{textcomp,url}
\usepackage[T1]{fontenc}
\usepackage[applemac]{inputenc}
\usepackage{mathptmx} %TIMES! Brill möchte einen Times-ähnlichen Zeichensatz.
\usepackage{setspace,fix-cm} %selbstgewählter Zeilenabstand, selbstgewählte Schriftgrößen
\urlstyle{same} %Damit die URLs nicht in Couries oder so was erscheinen
\usepackage{arabtex,atrans,nashbf} %Arabisch (veraltet, kann man heute durch XeLaTeX viel besser lösen, habe ich aber zu spät gemerkt - außerdem ist das koranische Arabisch damit sehr gut gelungen.)
\usepackage{longtable,array,ragged2e} %lange Tabellen, Tabellenlayout, ohne Blocksatz
\usepackage{booktabs} %schönere Tabellen
\usepackage{graphicx,pdfpages} %um PDFs einzubinden, wird auch von anderen Paketen wie semtrans benutzt
\usepackage{microtype} %besserer Umbruch
\usepackage{smartref} %Querverweise auf Kapitel, Abschnitte usw. verbessert
\addtoreflist{chapter} %gehört zu smartref
\addtoreflist{section}
\addtoreflist{subsection}

Natürlich muss man die ganzen Kapitelüberschriften umstellen, Brill will keine serifenfreien Schriften. Außerdem sollen die Kapitel “Kapitel Eins” und nicht “1.” oder so heißen. Das konnte ich nur zum Teil in KomaScript lösen, zum Teil war es viel komplizierter und wurde mir von anderen netten Leuten zurechtgebastelt. :)

\renewcommand{\thechapter}{Kapitel \spelled{chapter}}
\setkomafont{section}{\normalfont \rmfamily \centering \scshape \fontsize{10.5pt}{11pt}}
\setkomafont{subsection}{\normalfont \rmfamily \centering \itshape \fontsize{10.5pt}{12pt}}
\setkomafont{subsubsection}{\normalfont \rmfamily \itshape \fontsize{10.5pt}{12pt}}
\setkomafont{minisec}{\normalfont \itshape \rmfamily \fontsize{10.5pt}{12pt}}
\setkomafont{footnotelabel}{\rmfamily \fontsize{9pt}{12pt}}
\usepackage{titlesec,blindtext} %Formatierung der Überschriften
\titlespacing{\subsubsection}{0pt}{12pt}{*0}
\makeatletter
\newcommand*{\spelled}[1]{%
\expandafter\@spelled\csname c@#1\endcsname
}
\newcommand*{\@spelled}[1]{%
\ifcase#1\or{Eins}\or{Zwei}\or{Drei}\or{Vier}\or{Fünf}\else\@ctrerr\fi
}
\makeatother
\titleformat{\chapter}[display]
{\centering\small}
{\MakeUppercase{\thechapter}}{12pt}{\MakeUppercase}[]
\titlespacing*{\chapter}{0pt}{42pt-\topskip-6pt}{28pt}
\usepackage{titletoc} %Für die Darstellung der Kapitel und Abschnitte im Inhaltsverzeichnis
\contentsmargin[18pt]{2.5em}
\titlecontents{chapter}
[0pt]  %Rand links
{\addvspace{1.5pc}} %globale Formatierung
{\contentspush{\hspace*{5mm}}\hspace*{-5mm}\thecontentslabel:~} %Labeltext mit Zeilenumbruch
{} %Text, falls ohne Label
{\titlerule*[.3pc]{.}\contentspage} %Das sind die Pünktchen
[\addvspace{.0pc}] %Code danach, z.B. für Abstand
\titlecontents{section}
[11pt]
{}
{\contentspush{\hspace*{5mm}}\hspace*{-5mm}\thecontentslabel~}
{} %Text, falls ohne Label
{\titlerule*[.3pc]{.}\contentspage}
[\addvspace{.0pc}]
\titlecontents{subsection}
[22pt]
{}
{\contentspush{\hspace*{5mm}}\hspace*{-5mm}\thecontentslabel~} %Labeltext mit Zeilenumbruch
{} %Text, falls ohne Label
{\titlerule*[.3pc]{.}\contentspage}
[\addvspace{.0pc}]


\renewcommand{\thesection}{\Alph{section}.} %Nummerierung der Abschnitte
\renewcommand{\thesubsection}{\arabic{subsection}.}
\renewcommand{\thesubsubsection}{\thesubsection\arabic{subsubsection}}

So gehen die Fußnoten:
\deffootnote[3em]{0em}{1em}{%
\makebox[2em][l]{\textsuperscript{\thefootnotemark}}}
\setfootnoterule{19mm}
\usepackage{chngcntr} %Kapitelweise Fußnotenzählung
\counterwithin*{footnote}{chapter}

Die Bibliographie habe ich mit Biblatex gemacht, da gab es zum Glück keine superdetaillierten Vorgaben. Man braucht die ganz aktuelle Biblatex-Version, denn es gab einen Bug bei der Sortierung der Einträge (wenn man Abstände zwischen den einzelnen Buchstaben des Alphabets haben will), den ich gemeldet habe und der jetzt behoben ist. Dank an Philipp Lehman.

\usepackage[style=authortitle-dw,idembibformat=dash,idemtracker=false]{biblatex}
\defbibheading{PQ}{\section*{Primärquellen}}
\defbibheading{SQ}{\section*{Sekundärquellen}}
\defbibfilter{PQ}{\keyword{Quellen}}
\defbibfilter{SQ}{\not\keyword{Quellen}}
\bibliography{primaer,sekundaer}
\renewcommand{\bibfont}{\footnotesize}
\setlength{\bibinitsep}{10.5pt}

Mit Semtrans habe ich mir ‘ayn und hamza selbstgebastelt (das Paket bietet beides zwar auch an, die sitzen aber viel zu tief und sehen supermerkwürdig aus). Damit das Ganze in den Kapitelüberschriften funktioniert, braucht man übrigens vor dem Hamza einen \protect-Befehl. Aber wirklich nur für die Überschriften.

\usepackage{semtrans}
\newcommand{\ain}{\textsuperscript{c}}
\newcommand{\hamza}{\textsuperscript{\T{c}}}

Der Index ist nicht weiter erwähnenswert, außer man will die Schriftgröße verändern:
\usepackage{makeidx}
\makeindex
\usepackage[font=footnotesize]{idxlayout} %Schriftgröße des Index

Sonstige Satzparameter:
\raggedbottom %vertikale Absätze nicht nach unten ziehen
\clubpenalty = 10000 %Hurenkinder und Schusterjungen vermeiden
\widowpenalty = 10000 \displaywidowpenalty = 10000
\interfootnotelinepenalty=10 %Wichtig, damit Fußnoten im Zweifel umgebrochen werden und nicht halbe Seiten leer bleiben, weil die Fußnote in einem Stück bleiben soll.

Das Blockzitat musste ich neu definieren (im Text dann immer mit \begin{Zitat} und \end{Zitat}):
\newenvironment{Zitat}{%
\begin{spacing}{1}%
\begin{addmargin}[21pt]{0pt}%
\vspace{6pt}%
\begin{small}%
}
{%
\end{small}%
\vspace{6pt}%
\end{addmargin}%
\end{spacing}
}

Und last but not least:
\usepackage{fancyhdr} %Kopf- und Fußzeilen

Dann kann das Dokument losgehen:
\begin{document}
\pagestyle{fancy} %Definition der Kopfzeilen und (leeren) Fußzeilen
\fancyhead[CO]{\rmfamily \small \MakeUppercase \rightmark}
\fancyhead[CE]{\rmfamily \small \MakeUppercase \leftmark}
\fancyhead[LE,RO]{\small \thepage}
\fancyhead[LO,RE]{}
\fancyfoot[L,R]{}
\fancyfoot[C]{}
\setcounter{tocdepth}{2} %Tiefe der Abschnitte im Inhaltsverzeichnis
\setcounter{secnumdepth}{4} %Nummerierung von Abschnitten
\frontmatter %andere Seitenzahlen
\spacing{1.05} %Zeilenabstand
%Hier werden die "plain"-Seiten neu definiert, damit nicht auf Startseiten von Kapiteln wieder Seitenzahlen am Fuß auftauchen
\fancypagestyle{plain}{%
\fancyhf{} % clear all header and footer fields
\renewcommand{\headrulewidth}{0pt}
}
\pagestyle{fancy} %Löschen der Linie unter der Kopfzeile
\renewcommand{\headrulewidth}{0pt}

Im Text habe ich mit \frontmatter und \mainmatter operiert.

Inhaltsverzeichnis:
\renewcommand{\leftmark}{Inhaltsverzeichnis}\renewcommand{\rightmark}{Inhaltsverzeichnis}
\tableofcontents

Die Kapitel fangen so an (um die Kopf- und Fußzeilen zu definieren):

\chapter{Einleitung}\thispagestyle{empty}
\renewcommand{\rightmark}{Einleitung} %Die rechte Kopfzeile entspricht oft nicht exakt dem Kapitelnamen, sondern ist kürzer, daher definiere ich die immer extra
\renewcommand{\leftmark}{\chaptertitlename~\spelled{chapter}}

Für nachfolgende Kapitel muss dann nur noch die \rightmark neu definiert werden.

Für die Anhänge ist noch zu beachten:

\begin{appendix}
\renewcommand{\thechapter}{Anhang \spelled{chapter}}
\end{appendix}

Literaturverzeichnis und Index:

\chapter*{Literaturverzeichnis}
\renewcommand{\rightmark}{Literaturverzeichnis}\renewcommand{\leftmark}{Literaturverzeichnis}
\addcontentsline{toc}{chapter}{Literaturverzeichnis}
\nocite{*}
\printbibliography[heading=PQ,filter=PQ]
\printbibliography[heading=SQ,filter=SQ]
\renewcommand{\rightmark}{Index} \renewcommand{\leftmark}{Index}
\printindex
\end{document}

Falls es jemand gebrauchen kann: Viel Spaß damit. :-)

Neue Umfrage

Ein Beitrag zum Themengebiet Computer & Internet, Wissenschaft, Gesellschaft, geschrieben am 26. November 2009 von Johanna

Nach längerer Zeit mal wieder eine neue Umfrage, geboren aus einem ganz aktuellen Interesse:

Ich unterrichte gerade ein Seminar zum Internet, das sich für mich selbst als methodisch und theoretisch sehr spannend erweist. Momentan geht es um verschiedene Nutzungsformen des Internet, und ich frage mich gerade, ob ich in meiner Themenwahl nicht schon wieder dem aktuellen Stand hinterherhinke und mich auf Sachen konzentriere, die vor 4-8 Jahren angesagt waren. Klar, über die gibt es natürlich Sekundärliteratur. :)

Eine - wie immer total unrepräsentative - Einschätzung, welches Internetmedium gerade hip, angesagt und im Trend ist, würde mich freuen! Eigene Hinzufügungen sind möglich.

Zurück aus London

Ein Beitrag zum Themengebiet Wissenschaft, geschrieben am 16. November 2009 von Johanna

Bin gestern zurückgekommen von der 3tägigen Tagung “The Qur’an: Text, History and Culture” am SOAS in London. Alle fragen mich, wie London war, aber eigentlich weiß ich nur, wie die paar Häuserblocks in Bloomsbury waren, zwischen denen sich mein Aufenthalt bewegt hat: Feucht und wechselhaft. :) Außerdem kommt mir London momentan geradezu bezahlbar vor.

Jenseits dieser Äußerlichkeiten war die Tagung sehr, sehr interessant. Es gab manchmal eine etwas seltsame Mischung aus Außen- und Innenperspektive, zwischen Wissenschaftlern, die über den Koran (oder verwandte Themen) forschen, und Muslimen, die lieber darüber reden wollten, wie man den Koran denn nun wirklich richtig versteht… Das ist im angelsächsischen Raum verbreiteter als in Deutschland und für mich immer wieder gewöhnungsbedürftig, weil die Perspektiven nicht so recht zusammenpassen. Aber gestört hat es nicht weiter, die Tagungsbeiträge waren zum großen Teil wirklich interessant und anregend, und sehr divers, von der Rezeption des Korans in der amerikanischen Literatur bis zu westafrikanischen Koranhandschriften. Ich selber habe über Aspekte meines Habilthemas vorgetragen und im Anschluss sehr positives Feedback bekommen und intensive Gespräche geführt. Für mich hat sich selten eine Tagungsteilnahme so gelohnt. Der SOAS sei Dank!

Und übrigens:

Ein Beitrag zum Themengebiet Wissenschaft, geschrieben am 2. November 2009 von Johanna

Mein zweiter Sammelband ist erschienen:

Mehr Infos beim Verlag.

Ein hartes Stück Arbeit, aber es hat sich gelohnt!

Dies & das

Ein Beitrag zum Themengebiet Wissenschaft, Über diese Seite, geschrieben am 1. September 2009 von Johanna

Hier herrschte mal wieder Ewigkeiten lang Funkstille. Das liegt daran, dass ich seit unserem Urlaub so langweilige Sachen mache: Meinen Sammelband (Muslim Societies in the Age of Mass Consumption) setzen, Antrag schreiben, noch einen Antrag schreiben usw. Ich hasse das, es ist so unproduktiv, aber nur für mein nettes Lächeln kriege ich halt kein Geld. :-) Außerdem werde ich voraussichtlich im WS eine Professur in Tübingen vertreten, was einigen bürokratischen Aufwand verursacht, den ich ungern mehr als nötig auf andere abwälzen möchte. Es bleibt also turbulent.

Ich bin habilitiert!

Ein Beitrag zum Themengebiet Wissenschaft, geschrieben am 9. Juli 2009 von Johanna

Seit gestern. Bislang noch zu müde, um mich richtig zu freuen, aber das kommt hoffentlich noch!

Chicago Style und BibTeX

Ein Beitrag zum Themengebiet Computer & Internet, Wissenschaft, geschrieben am 3. Juni 2009 von Johanna

Gerade gehe ich der unsagbar aufregenden Aufgabe nach, einen Sammelband mit 16 Beiträgen zu setzen. Da ich mich weigere, dafür Word oder Word-Klone wie OO zu benutzen (meine aus Diss-Erfahrung gespeiste Prognose: das Programm wird genau dann anfangen, ständig abzustürzen oder irrationales Verhalten zu produzieren, wenn ich zu viel Arbeit investiert habe, um noch umzusteigen), setze ich das Ding jetzt in LaTeX, was immerhin besser aussieht und voraussichtlich am Ende weniger Probleme produzieren wird, aber dafür im Vorfeld umso mehr.

Ich will jetzt gar nicht über die vielen kleinen Nervigkeiten heulen (deren Lösung ich im Zweifel immer noch befriedigender finde als den ganzen Word-Frust), aber eine ganz, ganz megagroße Nervigkeit muss ich jetzt mal loswerden: ES GIBT FÜR LATEX KEINEN BIBTEX-STIL, DER DEM AKTUELLEN CHICAGO STYLE ENTSPRICHT, UND DAS IST GEMEIN UND UNGERECHT!

Es ist vor allem deswegen gemein, weil es natürlich durchaus einen vorinstallierten Stil namens Chicago gibt. Es gibt auch einen Natbib-Stil namens Chicago. Es gibt 1005 andere Stile, die sich Chicagoirgendwas nennen. Aber sie alle reproduzieren ausnahmslos das Chicago Manual of Style in der 13. Auflage von vor 20 Jahren oder so, und das ist leider nicht mal entfernt identisch mit den heute geltenden Regeln (15. Auflage), die der Verlag aber von mir umgesetzt sehen will!

Es gibt meiner Recherche nach nur zwei halbwegs annehmbare Lösungen, wenn man gezwungen ist, einen Zitierstil zu verwenden, der dem aktuellen Chicago Manual of Style entspricht. Die eine heißt ChicagoReedWeb, basiert auf Natbib und hat bei mir keine wirklich befriedigenden Ergebnisse produziert, weil fehlende Heftnummern bei Zeitschriften oder fehlende Verlagsangaben nicht erkannt wurden und sinnlose Satzzeichen im Zitat stehen blieben. Die andere heißt biblatex-chicago-notes-df und geht nur mit Biblatex, was v.a. deswegen nervt, weil Biblatex nicht mit XeTeX geht und ich aber bereits angefangen hatte, den Band in XeLaTeX zu setzen. *seufz* Beide Lösungen gehen übrigens nur für die Variante mit Fußnoten, nicht für den author-year-Stil, den ich eigentlich präferiert hätte, der aber nicht auffindbar war. Ja, ich weiß… es gibt custombib. Sorry, keine Zeit, keine Lust. :(

Gibt es nicht irgendeinen BibTeX-Helden, der den Chicago-Style mal auf die aktuellen Anforderungen umstellen will? Das wäre einen Orden wert.

XeLaTeX!

Ein Beitrag zum Themengebiet Computer & Internet, Wissenschaft, geschrieben am 30. April 2009 von Johanna

Nachdem ich meine Habilitationsschrift mit LaTeX geschrieben habe, was für den Textsatz super ist, aber für die arabische Transliteration gewisse Schwierigkeiten beinhaltet, habe ich erst letzte Woche XeLaTeX entdeckt, das es erlaubt, alle auf dem Computer installierten Zeichensätze zu verwenden - einschließlich der Unicode-Schriften, die alle Transliterationszeichen beinhalten, die man so braucht. Klappt fantastisch. Jetzt kann man LaTeX für orientalistische Arbeiten uneingeschränkt* empfehlen.

Bei herkömmlichem LaTeX hat man das Problem, das man nur für LaTeX vorinstallierte Schriften verwenden kann. Diese wiederum können nicht alle Unicode-Zeichen, insbesondere kein Arabisch und auch keine vollständige arabische Transliteration. Es gibt dafür mehrere Lösungen. Die eine davon ist das ArabTeX-Paket, das sehr schönes Arabisch setzt und auch die Umschrift der DMG kann, aber leider, leider nicht mit BibTeX zusammenarbeitet, d.h., dass man die ganzen arabischen Titel, die man in seiner Literaturdatenbank stehen hat, nicht automatisch in die Fußnoten transferiert bekommt, sondern doch wieder manuell eingeben muss, mit allen damit verbundenen Nachteilen. Die andere Lösung sieht so aus, dass man statt DMG die IJMES-Umschrift, auch für die Literaturangaben, verwendet. Punkte unter den Buchstaben und Striche über den Vokalen kriegt man nämlich mit LaTeX-Kommandos problemlos hin; man kann auch seinen Editor so einstellen, dass er diese Kommandos automatisiert bei bestimmten Tastenkombinationen setzt, so dass man bequem tippen kann. Das Problem sind ‘Ayn und Hamza. Es gibt ein Paket “Semtrans”, das diese Zeichen beinhaltet, die sind aber auf Times 11pt ausgelegt und stehen bei jeder anderen Schrift zu tief. Die andere Option ist das Paket ipa, das kann aber nur ʿAyn, so dass man statt Hamza Apostroph schreiben muss. Das ist die Lösung, die ich für meine Habilschrift gewählt habe; akzeptabel, aber nicht ganz ideal. ArabTeX habe ich für die arabischen Koranpassagen im Text verwendet, die wirklich schön geworden sind, mitsamt der speziellen koranischen Orthographie.

Mit XeLaTeX nun kann man einfach jeden beliebigen Unicode-Zeichensatz und alle darin enthaltenen Zeichen verwenden. D.h., man kann tippen wie in Word (nein, besser, Word für Mac kann nämlich kein Arabisch, XeLaTeX schon) und setzen wie in LaTeX (mit minimalen Einschränkungen, s.u.). Mit der aktuellen TeX-Distribution für den Mac und der aktuellen Version von TeXShop, dem Mac-Editor, geht das superkomfortabel. Der Haken an XeLaTeX und wohl auch der Grund für die bisher geringe Verbreitung ist, dass es keine Dokumentation gibt.

Daher hier eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Änderungen gegenüber herkömmlichem LaTeX - für die dreieinhalb Orientalisten und vergleichbaren Exoten, die ungefähr wissen, wie LaTeX geht:

  • Der Editor muss auf Texteingabe im Unicode-Format eingestellt sein.
  • In der Präambel sollte man fontenc, inputenc und alle Pakete, die etwas mit Zeichensatzauswahl zu tun haben, löschen.
  • Stattdessen lädt man \usepackage{xunicode,fontspec,xltxtra} (Zu fontspec gibt es auch eine Dokumentation).
  • Um Schriften auszuwählen, verwendet man z.B.
    \setmainfont{Gentium}
    \setsansfont{Lucida Grande}
    \setmonofont{Courier New}
  • Wenn man Arabisch schreiben will, fügt man an der entsprechenden Stelle z.B. ein \fontspec{Geeza Pro}, ggf. \raggedleft, ein. Dann schreibt oder kopiert man arabischen Text direkt in das Dokument. Zu beachten ist, dass man danach zum normalen Zeichensatz (\rmfamily) und linksbündigen Schreiben oder Blocksatz zurückkehren muss, es sei denn, man hat das Arabische in einer bestimmten Umgebung verwendet (z.B. quotation), die man einfach beendet.
  • An geeigneten, freien Unicode-Fonts konnte ich identifizieren: Gentium, Charis SIL, TITUS Cyberbit Basic, Palatino (Systemschrift auf dem Mac), DejaVu Serif. Serifenfreie Schriften gibt es wenige, v.a. DejaVu Sans und Helvetica (Systemschrift auf dem Mac). Lucida Grande und Geneva gehen auf dem Mac auch, aber nicht in allen Varianten (Lucida nicht kursiv, Geneva nicht fett…)
  • OpenType-Schriften (Linux Libertine, Minion Pro, Myriad Pro etc.) gehen auch!

Voilà. Für alle, die kein Wort verstanden haben: Es erfordert Einarbeitung, aber erstens fällt der Stress des Endlayouts KOMPLETT weg, und zwar derart komplett, wie man es sich als Word-Nutzer überhaupt nicht vorstellen kann, und zweitens ist das Ergebnis einfach superschön und professionell. Natürlich könnte man einwenden, dass man die Zeit, die man am Endlayout spart, für die Einarbeitung aufwendet, aber die Einarbeitung braucht man halt nur einmal, das Endlayout hingegen bei jedem einzelnen blöden Dokument… Funktioniert natürlich zumeist nicht bei Aufsätzen, die man in den Geisteswissenschaften in aller Regel doch nur als Word- oder RTF-Datei einreichen darf. *grmpf*

*Kleine Einschränkung für LaTeX-Experten: XeLaTex funktioniert nicht mit Microtype, d.h. das Resultat des Satzes ist ein bisschen weniger überragend… aber trotzdem immer noch überragend.

Es ist vollbracht!

Ein Beitrag zum Themengebiet Wissenschaft, geschrieben am 14. April 2009 von Johanna

Na, was wohl. :-)

habil_pink.jpg

Der Internet-Sammelband ist fertig!

Ein Beitrag zum Themengebiet Computer & Internet, Wissenschaft, Bücher, geschrieben am 19. März 2009 von Johanna

“Von Chatraum bis Cyberjihad. Muslimische Internetnutzung in lokaler und globaler Perspektive”

Herausgegeben von Matthias Brückner und mir, erschienen bei Ergon (Würzburg).

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