Archiv für das Themengebiet 'Gesellschaft'

Aus aktuellem Anlass…

Ein Beitrag zum Themengebiet Gesellschaft, Islam, geschrieben am 2. April 2017 von Johanna

Sehr geehrte Herren Chefredakteure, sehr geehrter Herr Dr. Gniffke und Herr Nitsche,

die Sendung „Moscheereport“ Ihres Mitarbeiters Constantin Schreiber hat in der deutschen Öffentlichkeit viel Aufsehen erregt. Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass die Berichterstattung über einige der Moscheen verzerrend, insgesamt einseitig war und Fehler enthielt, insbesondere ein nicht unerheblicher Übersetzungsfehler bezüglich des Wortes „Türken“, das als „Soldaten“ wiedergegeben wurde.

Es steht nicht in Frage, dass das Anliegen der Sendung und des begleitenden Buches wichtig und richtig ist, auch wenn man fragen könnte, ob im Jahr 2017 der exotisierende und sensationalistische Tonfall der Sendung angemessen ist zur Beschreibung von Institutionen, die es mindestens seit den 1960er Jahren im Lande gibt, in Einzelfällen sogar seit der Vorkriegszeit.

Eine Verharmlosung von zum Teil hochproblematischen Predigten ist sicher nicht angebracht, ebenso wenig aber eine einseitige Fokussierung auf radikale, militante und abgrenzende Prediger, die es gibt, die aber wohl kaum – wie in dem Bericht suggeriert – eine erdrückende Mehrheit darstellen. Weit häufiger äußern Musliminnen und Muslime Beschwerden über belanglose, konservativ-moralisierende Predigten, die nicht auf gesellschaftliche Realitäten Bezug nehmen – sicher auch ein Resultat der Sozialisierung der Prediger in Diktaturen, in denen Predigten möglichst unpolitisch gehalten werden.

Vermutlich ist Ihnen bewusst, dass es seit Jahren zunehmend aufgeheizte und polarisierende Debatten zu Fragen gibt wie denen, ob „der Islam zu Deutschland gehöre“, ob Muslime hier integrationsfähig seien, ob Islam und Demokratie vereinbar seien, ob es einen Zusammenhang zwischen Islam und sexueller Gewalt gebe, ob die Zuwanderung von Flüchtlingen unser „Islamproblem“ nicht verschärfe usw. Muslimische Menschen und Institutionen stehen immer stärker unter Rechtfertigungsdruck; selbst gegen den Liberal-Islamischen Bund, der unter anderem interreligiöse Gottesdienste, weibliche Vorbeterinnen und die Mitgliedschaft von Homosexuellen unterstützt, mehren sich die Vorwürfe, dies sei alles nur Fassade, da der Koran dies in Wirklichkeit gar nicht erlaube. Sollte es nicht in solch einer Situation Aufgabe eines verantwortungsbewussten öffentlich-rechtlichen Journalismus sein, die Stimmung nicht noch weiter aufzuheizen, sondern durch differenzierte, sachliche und sorgfältig recherchierte Berichterstattung dagegenzuhalten, Aussagen besonders gründlich zu überprüfen und sich im Zweifel wissenschaftlicher Expertise zu versichern? Sollte man gerade jetzt nicht darauf achten, die gängige terminologische Gegenüberstellung von „Muslimen“ und „Deutschen“ zu unterlassen, als ob sich dies gegenseitig ausschließe? Sollte man nicht vermeiden, den Verdacht nahezulegen, selbst die harmloseren unter den Predigten, die der Journalist gehört hat, seien wohl nur seiner Anwesenheit geschuldet, selbst wenn es dafür gar keine konkreten Belege gibt?

Der Schaden, den solch eine Berichterstattung gerade für die offenen, an Dialog interessierten Moscheegemeinden anrichtet, ist immens. Ein kleiner Recherchefehler in solch einem Zusammenhang kann Existenzen bedrohen, bis hin zu verweigerter Einbürgerung aufgrund der Mitgliedschaft in bestimmten Moscheevereinen. Das ist dann nachvollziehbar, wenn diese tatsächlich belegbar extremistisch orientiert sind – aber genau deswegen sollte man sich dieses Vorwurfs unter den gegebenen Umständen auch ganz besonders sicher sein, bevor man ihn öffentlich äußert.

Constantin Schreiber bekundete in der ZEIT Nr. 14 (S. 54), über Monate hätten „Islamwissenschaftliche Fakultäten“ (die es in Deutschland gar nicht gibt) und „Islamwissenschaftler, die sonst bereitwillig Auskunft geben“, seine Anfragen unbeantwortet gelassen. Damit erweckt er den Eindruck, es handle sich hier um ein heißes Eisen, das in der Wissenschaft – vielleicht aus Angst vor dem Islam? – niemand anfassen möge. Nun mag es sein, dass es Kolleginnen und Kollegen gibt, die sich für Moscheen in Deutschland aufgrund ihrer Spezialisierung, die typischerweise auf Gesellschaften des Nahen Ostens bezogen ist, nicht zuständig fühlen. Ich selber und viele mir bekannte Kolleginnen und Kollegen, die über die Webseiten ihrer Institute sehr leicht auffindbar sind, hätten Herrn Schreiber gern für Interviews zur Verfügung gestanden. Ich wäre auch ohne Umstände bereit gewesen, die Hilfe akademisch geschulter Übersetzerinnen und Übersetzer anzubieten. Niemanden von uns hat eine entsprechende Anfrage erreicht, auch nicht solche Kolleginnen, die namhafte Expertinnen für Islam in Deutschland, Migrationsfragen und sogar Moscheegemeinden sind. Das legt den Verdacht nahe, dass die Recherche nicht sehr tiefgründig gewesen sein kann. Ich frage mich daher, wie hoch das Interesse der ARD an differenzierten, fachlich fundierten, auf genauer Kenntnis muslimischer religiöser Diskurse und einschlägiger Sprachen beruhenden Expertenmeinungen ist.

Falls Herr Schreiber oder ein anderer Ihrer Mitarbeiter noch einmal Bedarf an der Expertise von Islamwissenschaftlerinnen und Islamwissenschaftlern haben sollte, stehe ich – sofern ich diese seriös liefern kann – gern zur Verfügung oder vermittle Ihnen Kolleginnen und Kollegen, die kompetent sind.
In der Hoffnung auf eine in Zukunft ausgewogenere und sorgfältigere Berichterstattung zu diesem sensiblen Thema

verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Johanna Pink

Professur für Islamwissenschaft und Geschichte des Islam
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Hier geht es zur Online-Veröffentlichung im Tagesspiegel.

Achtung, Achtung! An alle Flüchtlinge!

Ein Beitrag zum Themengebiet Allgemein, Gesellschaft, geschrieben am 22. September 2015 von Johanna

Deutschland ist weltoffen und tolerant! Stillgestanden! Wegtreten!

Ist es nicht irre deutsch? Permanent erklären derzeit Kommentatoren in der ARD, FAZ oder auf Facebook Leuten, die seit ein paareinhalb Tagen nach einer irrsinnigen Flucht über Meer oder Land erschöpft und orientierungslos in irgendeiner Turnhalle angekommen sind, gleich mal im Befehlston die Regeln, und zwar die wirklich wichtigen. „Lieber Flüchtling, herzlich willkommen in Deutschland. Rasen betreten verboten. Homosexuelle sind gut zu finden. Essensausgabe von 12 bis 14 Uhr. Kleiderausgabe hinten links, jeder nur ein paar Schuhe. Zuwiderhandeln ist strafbar. Viel Spaß bei uns.“

Man könnte ja meinen, es sei ein nett gemeinter Service, dass sich derzeit an jeder Ecke jemand bemüßigt fühlt, Flüchtlinge darauf hinzuweisen, dass sich hierzulande zwei Männer öffentlich küssen dürfen und die Flüchtlinge das gefälligst gut finden sollten – so wie ja bekanntlich 110% aller Deutschen hypertolerant gegenüber Homosexuellen sind. Ja, ja, so sind wir halt, wir tollen Deutschen. Warum nur haben diese Hinweise so einen seltsamen Beigeschmack? Vielleicht, weil sie implizieren, dass Flüchtlinge grundsätzlich rückständig und mit unserer progressiven Gesellschaft total überfordert sind? Und weil sie so arg viel Selbstbeweihräucherung beinhalten?

Es gäbe so viele positive Sachen, auf die man stattdessen hinweisen könnte – bei allen Unzulänglichkeiten, die unsere Gesellschaft und unser Staat haben, die aber immer noch nachrangig sind, wenn man sie mit denen von Ländern wie Syrien oder Afghanistan vergleicht. Zum Beispiel, dass man bei Behördengängen niemanden bestechen muss, um etwas zu bekommen, auf das man sowieso einen Anspruch hat. Oder dass man im Konfliktfall die Polizei rufen kann. Oder dass man hier nicht nur Asad, sondern sogar Merkel schlecht finden und das öffentlich sagen kann. Genau wegen solcher Annehmlichkeiten kommen viele durchaus gerne nach Europa. Und die, bei denen das der Fall ist, die kriegen den Rest auch noch hin.

 

Elternsein ist anstrengend. Leben ist anstrengend.

Ein Beitrag zum Themengebiet Familie, Gesellschaft, geschrieben am 3. April 2014 von Johanna

Langsam gehen mir die ganzen nabelbeschauenden Artikel über die mangelnde oder doch nicht mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Zeit, Spiegel & Co. nur noch auf die Nerven.

Nein, Familie und Beruf sind nicht vereinbar. Familie und Haushalt sind aber eigentlich auch nicht vereinbar. Beruf und Haushalt sind nicht vereinbar. Eigentlich ist gar nichts mit gar nichts vereinbar, jedenfalls nicht, wenn man den Anspruch hat, alles perfekt zu machen und dabei auch noch völlig entspannt und stressfrei zu sein.

Was ist das überhaupt für ein Anspruch? Ein vollkommen lächerlicher natürlich. Für 99,9% der Menschen hat Leben zu allen Zeiten Kampf ums Dasein bedeutet. Allenfalls gab es ein paar Könige, Adlige, Sklavenhalter etc., die es sich auf Kosten anderer einigermaßen gutgehen lassen konnten (vielen davon ging es vermutlich immer noch schlechter als einer deutschen Mittelschichtfamilie). Heutzutage geht es uns so gut, dass wir das Dasein als Selbstverständlichkeit hinnehmen und auf gar keinen Fall für irgendetwas kämpfen müssen möchten. Es muss alles gelingen, man darf abends nicht müde sein, muss strahlende Kindergesichter mit einem optimalen Sexualleben und einer Topkarriere kombinieren und keinesfalls darf man während des sonntäglichen Kinderfußballs eine Email beantworten. Meine Güte, Leute – habt Ihr sonst keine Probleme?

Ja, ich bin abends müde. Ja, das Eheleben kommt zwischen Beruf, Kindern und Haushalt zu kurz. Nein, ich schaffe es zu den meisten Bastelnachmittagen in der Grundschule nicht. Nein, wir bieten unseren Kindern nicht jedes Wochenende  hochwertige Freizeitbeschäftigungen mit der ganzen Familie.

Und: Ich mag mir keine Gedanken darüber machen, wie ich das ändern kann. Ich halte es für den Normalfall. Der Tag hat nur 24 Stunden und die Kräfte des Menschen sind begrenzt. In diesem Rahmen tun wir unser Bestes. Immer schön weiterkämpfen, liebe Journalisten. Euer Sohn wird denn Ball auch treffen, wenn Papi nebenbei auf sein Smartphone schaut.

Meldung und Wahrheit: Schweine und Moscheen

Ein Beitrag zum Themengebiet Computer & Internet, Gesellschaft, Islam, geschrieben am 17. Juni 2013 von Johanna

Dieser Tage grassiert mal wieder eine Meldung auf den sozialen Medien, die für viel Aufregung unter Muslimen sorgt:

„Ganz ohne Proteste oder rechtliche Schritte haben Bürger der spanischen Stadt Sevilla den Bau einer weiteren Moschee verhindert. Nachdem bekannt geworden war, dass eine staatliche Behörde der islamischen Gemeinde ein Grundstück zum Bau eines Gotteshauses verkauft hatte, vergruben sie auf dem Bauplatz ein totes Schwein. Anschließend sorgten sie dafür, dass die lokalen Medien über die Aktion berichteten. Das Schwein gilt im Islam grundsätzlich als unrein und sein Verzehr ist den Gläubigen nach dem Koran verboten. Aus diesem Grund ist die Errichtung einer Moschee auf einem durch einen Schweine­kadaver „verseuchten“ Gelände ausgeschlossen. Die islamische Gemeinde gab ihre Baupläne daher auf.“

Wenn man nach der Quelle dieser Meldung sucht, stellt man fest, dass sie ausschließlich auf Islamgegnerwebseiten wie pi-news oder reconquista-europa zu finden ist, dort aber überall wortgleich; sie stammt vom September 2011. Also schon einmal kein aktuelles Ereignis. Die interessante Frage, warum solche Sachen eigentlich periodisch immer wieder viral werden, ist hier zu vernachlässigen. Weiterhin stellt man fest, dass damals die Meldung offensichtlich inspirierend gewirkt hat, denn es gibt gleichartige, in diesem Fall aber auch in seriösen Medien erschienene Meldungen vom November 2011 über den Moscheestreit im schweizerischen Grenchen, in dem Moscheegegner versuchten, sich durch das Hinterlassen toter Schweine zu „wehren“. Das scheint die muslimische Gemeinde nicht am Weiterverfolgen ihrer Bauabsichten gehindert zu haben, wie man aktuellen Berichten der Lokalpresse entnehmen kann, aus denen auch hervorgeht, dass der Bau bislang am Fehlen eines Finanzierungsnachweises gescheitert ist.

Auf englischsprachigen Seiten tauchte die Sevilla-Geschichte schon im Herbst 2010 auf. PI & Co. haben also relativ lange gebraucht, um die Geschichte zur Kenntnis zu nehmen, und interessierten sich offenbar auch weder dafür, ob es einen Faktenhintergrund gibt (sie ergehen sich lieber in Begeisterungsstürmen über die schlauen Spanier und Bedauern über die armen Schweine), noch dafür, ob sich irgendwelche Muslime dadurch tatsächlich am Bau einer Moschee hindern ließen. Man hält Muslime auf diesen Seiten für so dumm und abergläubisch, dass man ihnen das ohne Weiteres zutraut.

Noch weiter zurück: Die NY Times behauptet 2008, das Ganze sei 2005 passiert, aber nur mit einem Schweinekopf und nicht mit einem ganzen Schwein. Schweineköpfe vor Moscheen zu deponieren oder hineinzuwerfen scheint – wenn man spezifisch danach googelt – in diversen Ländern Volkssport zu sein, insbesondere in Großbritannien. Es führt aber nicht dazu, dass die Moscheen abgerissen werden oder der Gebetsbetrieb eingestellt wird.

Wenn man zu dem angeblichen Vorfall in Sevilla 2005 spanische Meldungen sucht, geht es auf einmal um die Schlachtung eines Schweines auf dem potenziellen Baugrund, aber so richtig viele Reaktionen hat das offenbar nicht hervorgerufen. Und wenn man nach Gründen dafür sucht, warum die Moschee dann dort nicht gebaut wurde, kommen gar keine Schweineköpfe mehr darin vor, sondern es geht ganz einfach um ein Behördenveto gegen den Bau von Kultstätten auf staatlichem Land in Folge eines Gerichtsurteils. Das ist natürlich kein Schenkelklopfer für Islamhasser.

Die Kirchen in Saudi-Arabien

Ein Beitrag zum Themengebiet Gesellschaft, Islam, geschrieben am 30. Mai 2013 von Johanna

Es gibt keine Islamdiskussion hierzulande, in der sie nicht irgendwann auftauchen, so zuverlässig wie das Amen in der Kirche: Die in Saudi-Arabien gerade nicht existierenden Kirchen. Plus natürlich die Steinigungen in Saudi-Arabien, die Köpfungen in Saudi-Arabien, die zwangsverschleierten Frauen in Saudi-Arabien, das Autofahrverbot für Frauen in Saudi-Arabien, die Auspeitschungen in Saudi-Arabien… Aber in allererster Linie sind es immer wieder die Kirchen. Das liegt daran, dass sie so wunderbar in die der Debatte zugrunde liegende Logik passen: Wenn „ihr“ „uns“ gegenüber intolerant seid, dann braucht ihr gar nicht erst anfangen, hier Minarette bauen zu wollen! Da wären „wir“ ja schön doof, wenn „wir“ „euch“ das erlaubten.

Auf der banalen Ebene könnte man dazu zunächst mal sagen, dass die Menschenrechtspolitik irgendwelcher durchgeknallter Diktaturen (zu denen ich Saudi-Arabien rechne), uns nicht unbedingt zum Vorbild dienen sollte. Man müsste auch darauf hinweisen, dass es so ziemlich überall sonst in der islamischen Welt natürlich durchaus Kirchen gibt.

Mein Problem mit dem leidigen Argument ist aber ein ganz anderes: Es beruht im Kern auf der Gegenüberstellung von „uns“ und „denen“, die der ganzen Debatte zugrundeliegt. Und diese Gegenüberstellung führt ganz zwangsläufig dazu, dass Fakten oder Differenzierungen oder Rechtsnormen keine Rolle mehr spielen. Das „Wir“ in dieser Konfrontation ist dabei denkbar unklar definiert. Es sind „irgendwie“ die Europäer, die Christen (das wären dann auch Russland oder Lateinamerika?!?), vielleicht aber auch eher „die Säkularen“ oder „die Aufgeklärten“ oder auch nur die Deutschen – man weiß es nicht so genau. Eigentlich definiert sich das „wir“ vor allem aus dem scharfen Gegensatz zu „denen“, und das sind „die Muslime“; Überschneidungen gibt es per definitionem nicht. Ob ein nennenswerter Anteil dieser Muslime überhaupt aus Saudi-Arabien kommt oder sich mit der saudischen Politik identifizieren kann, interessiert dann nicht mehr. „Die Muslime“ müssen kollektiv die Politik Saudi-Arabiens verantworten, denn die begründet sich ja islamisch.

Genau, werden Verfechter des Kirchen-in-Saudi-Arabien-Arguments sagen: „Der Islam“ hat eben ein Problem mit dem Christentum, die Saudis setzen die islamischen Vorschriften nur konsequenter um als andere. In Wirklichkeit streben aber alle Muslime nach konsequenter Umsetzung dieser Vorschriften oder sollten es zumindest. Und spätestens da ist das Argument dann an dem Punkt angekommen, wo es sich von der Denkweise radikaler Islamisten in nichts mehr unterscheidet: Unabhängig von ihrer Sozialisation, ihren individuellen Denkweisen, ihrer regionalen Herkunft, ihrem Wohnort, ihrer Sprache müssen eigentlich alle Muslime dasselbe denken oder sie sind keine Muslime mehr. Dass die Fakten dagegen sprechen; dass weder in der Geschichte noch in der Gegenwart jemals ein nennenswerter Anteil der Muslim sein Leben an irgendwelchen religiösen Maximalforderungen ausgerichtet hat, das interessiert dann nicht mehr. (Dass die religiösen Maximalforderungen den Bau von Kirchen gar nicht verbieten, tatsächlich mit der potenziellen Ausnahme der arabischen Halbinsel, steht auf einem anderen Blatt.)

Gerade kam mir dazu ein schönes Zitat des eminenten sunnitischen Theologen al-Ghazali unter: „Es ist keine Sünde, auf die höchsten Stufen der Tugendhaftigkeit zu verzichten.“ So viel Pragmatismus – geht das „im Islam“ überhaupt? Tja. Es geht. Es geht übrigens auch, einen wohlwollenden Umgang mit Anhängern anderer Religionen als maximal tugendhaft zu definieren. Das tun heutige Muslime immer mal wieder. Dualistisches Denken verstellt leider den Blick auf diese Differenzierungen, und das ist schade, denn natürlich gibt es – z.B. an Ländern wie Saudi-Arabien – vieles zu kritisieren. Es macht nur keinen Spaß, das zu tun, wenn man genau weiß, wofür diese Kritik dann ausgeschlachtet wird.

Die verfolgten Deutschen

Ein Beitrag zum Themengebiet Gesellschaft, Islam, geschrieben am 12. April 2013 von Johanna

Da schaue ich am frühen Morgen auf Facebook und einer jener Posts schaut zurück, in denen geballte Empörung darüber verbreitet wird, dass „wir“ armen Deutschen von den bösen Ausländern (gemeint sind natürlich nicht Italiener oder Vietnamesen, sondern Muslime) diskriminiert werden. Diesmal geht es darum, dass angeblich in baden-württembergischen Schulen eine Anweisung kursierte, „Grüß Gott“ nicht mehr als Gruß zu benutzen. Aus Rücksicht auf Multikulti, den Islam (der ja bekanntlich etwas gegen das Konzept „Gott“ hat) und so. Im weiteren Verlauf des angeblichen Protestbriefes einer angeblichen Lehrerin werden dann noch mehr derlei unzutreffender Behauptungen – es gab nämlich niemals eine solche Anweisung! – verbreitet, zum Beispiel, das „deutsche Motto“ laute „Im Namen Gottes“, Deutschland sei ein christlicher Staat und Kruzifixe gehörten in deutsche Klassenzimmer. Wem das nicht passe, der solle eben nach Hause gehen. Vielleicht sollte man das mal dem deutschstämmigen Atheisten sagen, der damals semi-erfolgreich gegen die Kruzifixe in bayerischen Schulen geklagt hatte. Der geht bestimmt gern „zurück“ nach Atheististan.

Es ist einfach nur noch ermüdend. Da empören sich Leute, denen es mit hundertprozentiger Sicherheit noch nie passiert ist, dass sie wegen ihrer Hautfarbe, ihres Namens oder ihrer Religion eine Wohnung oder Arbeit nicht bekommen haben, und glauben, sie würden in Deutschland diskriminiert. Weil man als kopftuchtragende Lehrerin hier ja die Stellen hinterhergeschmissen bekommt, während die blondierten Deutschen alle arbeitslos… Ach, anderes Thema. Na gut. Dann also: Weil Neukölln überall ist. Was auch falsch ist; Neukölln ist nämlich in Berlin, und es gibt schon Gründe dafür, dass es nicht z.B. in Stuttgart liegt.

Aber sehen wir von solchen Differenzierungen mal ab; schauen wir auf die migrantischen Submilieus, in denen kaum Deutsch gesprochen, von Hartz IV gelebt und die Zugehörigkeit zum Islam als Habitus der Überlegenheit propagiert wird, weil man sonst nichts hat, worauf man stolz sein kann. Ich finde, man kann sich schon darüber empören, dass unsere Gesellschaft es zulässt, dass es solche Milieus gibt. Aber nicht, weil die zu diesen Milieus gehörenden Menschen hier sind und hier bleiben werden und uns unser schönes Deutschland kaputtmachen, sondern weil es bedeutet, dass da Kinder und Jugendliche ohne jede Chance aufwachsen. Darüber darf man sich schon aufregen. Und dann müsste man überlegen, was man hier – und nicht in Istanbul oder Diyarbakir – dagegen tun kann. Aber das wäre natürlich nicht so billig und bequem, wie wenn man einfach fordert, die Leute wieder nach Hause zu schicken, denn dann müsste man ja anerkennen, dass es sich um eine Verantwortung unserer Gesellschaft handelt, sich um diese Kinder und Jugendlichen zu kümmern, deren Eltern oder Großeltern man mal hierhingeholt hat. Einfacher ist es sicher, seine Ressentiments zu pflegen.

Und es geht meines Erachtens ausschließlich um die Pflege von Ressentiments bei dieser ganzen Empörung. Sonst würde man sich ja über die wirklichen Probleme unterhalten und nicht irgendwelche absurden Geschichten über Begrüßungen in der Schule fabrizieren. Zum Beispiel könnte man dann auch mal über die Nachkommen italienischer Migranten reden, die von allen Migrantengruppen den niedrigsten Bildungserfolg haben, deutlich unter den Türken. Das interessiert aber keinen. Solange die in ihren Pizzerien und Eisdielen arbeiten, ist es offenbar egal, ob die schlecht Deutsch sprechen und bloß Hauptschulabschluss haben. Oder über die enorme Kriminalität unter Vietnamesen – Menschenhandel, Zigarettenschmuggel, Schutzgelderpressung. Das interessiert aber keinen, solange man bei denen billig seine Zigaretten kaufen kann und die Opfer bloß Vietnamesen und der deutsche Fiskus sind. Und deutsche Bildungsversager, die interessieren schon gar nicht. Die stellen das eigene Selbstverständnis nicht so in Frage; auf die kann man seine eigenen Abstiegsängste auch nicht so gut projizieren.

Könnten die Deutschen sich nicht irgendwann mal ein anderes Feindbild backen? Vielleicht, wenn China die neue Weltmacht wird oder so? Das wäre eine nette Abwechslung.

Chancengleichheit und Begabtenförderung

Ein Beitrag zum Themengebiet Gesellschaft, Wissenschaft, geschrieben am 4. Februar 2013 von Johanna

Seit Jahren arbeite ich immer mal wieder an Auswahlverfahren zweier Begabtenförderungswerke mit, durch Auswahlseminare, Vorschläge oder Auswahlgespräche. Oft habe ich zu den Auswahlverfahren beigetragen, war aber nicht immer an der abschließenden Entscheidung beteiligt. Je mehr ich die Ergebnisse dieser Auswahlverfahren verfolge, desto mehr stellt sich mir die Frage, ob es bei den Auswahlkriterien nicht ein grundlegendes Problem gibt.

Die Begabtenförderungswerke diskutieren ja seit einigen Jahren die Tatsache, dass bei den meisten von ihnen – auch den linken – Studierende aus Akademikerhaushalten extrem stark überwiegen. Dafür sind diverse Ursachen ins Feld geführt worden, z.B. der psychologische Effekt, dass Auswählende unbewusst Bewerberinnen und Bewerber auswählen, die ihnen ähnlich sind, oder dass Studierende aus Nichtakademikerfamilien oft weniger selbstbewusst auftreten und nicht so gut darin sind, sich zu verkaufen. Stimmt sicher alles, ist aber durch Bewusstseinsänderung bei den Auswählenden zumindest zum Teil zu beeinflussen – ich jedenfalls gebe mir Mühe, mir diesen Prozess bewusst zu machen. Die Stiftungen äußern alle den Wunsch, den Anteil von Studierenden aus bildungsfernen Milieus, auch von Migranten, unter den von ihnen Geförderten, deutlich zu erhöhen.

Ich kann mich jedoch des Eindrucks nicht erwehren, dass das Problem nicht so leicht zu beheben ist, solange man „soziales Engagement“ (politische Stiftungen) oder „vielfältige Interessen und einen breiten Horizont“ zu unverzichtbaren Auswahlkriterien macht. Das führt nämlich – so die Beobachtung, die ich jetzt mehrfach sehr deutlich gemacht habe – dazu, dass die Studierenden mit bildungsbürgerlichem Hintergrund, die über ein Austauschjahr in Südamerika sowie musikalische und künstlerische Hobbys seit frühester Kindheit verfügen, ebenso klar im Vorteil sind wie diejenigen, die nicht 20h/Woche jobben müssen, um sich zu finanzieren, und daher in der Lage sind, Kindertheater, Leseförderung oder Parteiarbeit zu betreiben. Natürlich gibt es hin und wieder auch z.B. türkischstämmige Bafög-Empfänger, die sozial engagiert sind, die halbe Weltliteratur auswendig kennen usw., und ich bin von deren Leistung extrem beeindruckt, vor allem, wenn ich überlege, wie leicht mir selbst so etwas gemacht wurde. Aber es gibt eben auch exzellente, motivierte Studierende mit einer reifen Persönlichkeit, für die es angesichts ihrer Herkunft schon eine überaus beeindruckende Leistung ist, sich an einer deutschen Uni behaupten und gleichzeitig noch ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Oder solche, die vielleicht an der Uni erst langsam entdecken, was für Möglichkeiten das Leben so bietet, und denen die Förderung durch ein Begabtenförderungswerk diesen Prozess deutlich erleichtern würde. Ich habe Studenten, die als junge Erwachsene aus Afrika nach Deutschland gekommen sind und sich selbst finanzieren. Sollen die vielleicht noch nebenher Bratsche lernen und der SPD beitreten? Ich finde, wenn die ihr Studium mit sehr guten Leistungen in der Regelstudienzeit durchziehen, dann ist das verdammt viel und jedes Begabtenförderungswerk sollte aufmerksam auf sie werden, anstatt sie in der Vorauswahl rauszuschmeißen. Mir sind solche Personen allemal lieber als die langweiligen Parteischranzen, die man bei den politischen Stiftungen immer so hat, oder die 08/15 aquarellmalenden höheren Töchter, die man bei der Studienstiftung gern zu Gesicht bekommt (der Fairness halber: Die bekommen meist auch kein Stipendium, wenn nicht noch mehr dahintersteckt).

Entscheidend sollte sein, was jemand aus seinen oder ihren Möglichkeiten gemacht hat UND was für ein Potenzial er oder sie besitzt, um in Zukunft noch viel mehr aus diesen Möglichkeiten zu machen. Wenn eine herausragende Absolventin mit einem fundierten, spannenden und auch noch gesellschaftlich relevanten Promotionsprojekt schon in der Vorauswahl rausfliegt, obwohl sie die angeblich so begehrten Kriterien Migrationshintergrund und Nichtakademikereltern erfüllt, dann kann es mit der Begehrtheit dieser Kriterien nicht so weit her sein – da mag sich das betreffende Begabtenförderungswerk noch so sehr hinter fehlenden musisch-künstlerisch-sozial-naturwissenschaftlichen Interessen verstecken.

Vom Türken zum Muslim

Ein Beitrag zum Themengebiet Computer & Internet, Gesellschaft, Islam, geschrieben am 3. November 2011 von Johanna

Ngrams sind ein nettes Tool, um die historische Entwicklung von Begriffen im Korpus von Google Books darstellen zu lassen. Leider fallen mir dafür immer nur Anwendungsmöglichkeiten ein, die das Offensichtliche illustrieren, wie diese hier. Trotzdem nett, es einmal graphisch bestätigt zu sehen.

Die Piraten und die Frauen

Ein Beitrag zum Themengebiet Berlin, Gesellschaft, geschrieben am 26. September 2011 von Johanna

Ich gebe es zu: Ich habe Sympathien für die Piratenpartei. Ja, ihr Berliner Wahlprogramm war naiv und lückenhaft; das war bei den Grünen früher auch so. Trotzdem haben sie viel bewegt, und das Gleiche traue ich auch den Piraten zu. Sie haben das Potenzial, ein wichtiges Thema auf die Agenda zu setzen und Bevölkerungsschichten für Politik zu interessieren, die der Politikbetrieb bislang vollkommen kalt gelassen hat.

Ich gebe aber auch zu, dass Beiträge wie dieser hier, der u.a. auf Facebook vielfach verlinkt wurde, mich mehr als abschrecken. Aus meiner Sicht ist das so post-gender, dass es schon wieder reaktionär ist. „Wofür ist das wichtig, wieviele weibliche Abgeordnete wir haben? Für gar nichts.“ Okay, das kann man so sehen. Muss sich dann aber auch nicht wundern, dass viele der zurückgebliebenen Wesen, die sich im 21. Jahrhundert immer noch als weiblich definieren, mit großer Mehrheit weder zu den Piraten kommen noch sie wählen.

Zunächst einmal finde ich es intellektuell ziemlich armselig, jeden Versuch einer Genderdiskussion mit dem Verweis auf die Existenz von Transgenderlebewesen abzuwehren, die durch die Frauenquote benachteiligt würden (selbst wenn sie sich in vielen Fällen durchaus als Männer oder Frauen definieren!). Genausogut könnte man jede Debatte über Rassismus ablehnen mit Verweis auf Personen, die sich wegen ihrer buntgemischten Herkunft keiner klaren Kategorie zugehörig fühlen, und überhaupt, allein die Existenz dieser Kategorien sei rassistisch. Ist sie ja auch, aber ändert das etwas daran, dass man als dunkelhäutiger Mensch hierzulande so manche Probleme hat, die ein hellhäutiger nicht hat? Wohl kaum. Also sollte man auch drüber reden. Und zwar nicht nur darüber, ob es „Rasse“ überhaupt gibt und geben darf, sondern konkret darüber, was man tun kann, damit dunkelhäutige Menschen leichter eine Wohnung oder einen Job finden, im Ausländeramt besser behandelt werden (falls sie keinen deutschen Pass haben) usw.

Mag ja sein, dass viele der bei den Piraten aktiven Frauen sich überhaupt nicht diskriminiert fühlen und sich aktiv einbringen (natürlich ohne dabei Mandate zu wollen, Frauen fühlen sich halt einfach im Rampenlicht nicht so wohl… sie wirken lieber hinter den Kulissen… hach, sind wir postgender…), aber das greift dann doch ein bisschen kurz, wenn man nicht auch die Frauen anschaut, die von ihrer Grundeinstellung her vielleicht zu den Piraten eine Affinität hätten, aber sich dort eben nicht engagieren.

Die Ursache dafür könnte man natürlich bei den bösen Medien mit ihrem veralteten Genderdiskurs suchen. Das wäre die einfache Variante. Oder man könnte sich überlegen, wie man sich für Politikfelder öffnen könnte, die bestimmte bislang bei den Piraten unterrepräsentierte Bevölkerungsschichten interessieren und dazu motivieren könnten, sich einzubringen, anstatt ihnen generös mitzuteilen, sie könnten ja beitreten und dann dafür sorgen, dass diese Themen bei den Piraten gestärkt werden. Erstens: wer garantiert ihnen, gerade angesichts vergangener Genderdiskussionen bei den Piraten, dass sie mit diesen Themen jemals eine Mehrheit finden? Und zweitens: warum sollten Menschen, die unter mehreren Parteien die Auswahl haben, zu derjenigen gehen, mit der sie bei Themen, die für sie besonders wichtig sind, keine große Schnittmenge haben?

Eine Partei, die sich in ihrem Berliner Wahlprogramm mit Rauscherfahrungen in der Schule befasst (was legitim ist), aber für Themen wie Familie oder Migration keinen halben Satz übrig hat, die wirkt auf mich und viele andere eben einfach wie ein postpubertärer weißer Männerhaufen. Klar können auch weiße Männer zu jedem erdenklichen Thema eine sinnvolle Meinung haben; man muss nicht persönlich betroffen sein, um ein Problem verstehen und lösen zu können. Man sollte aber auch nicht davor weglaufen, darüber nachzudenken.

Ich bin übrigens noch nicht einmal ein ausgeprägter Fan von Quoten. Es gibt sicher oft bessere Lösungen; manchmal gibt es vielleicht auch keine besseren Lösungen, jedenfalls übergangsweise. Da bin ich in jede Richtung offen für gute Argumente. Alles auf die Transgender-Meta-Ebene zu heben ist aus meiner Sicht aber kein gutes Argument.

Eine Partei, die sich basisdemokratischer Partizipation verschrieben hat, sollte sich einfach überlegen, ob bei einer derart unausgewogenen Mitgliederbasis ein basisdemokratisches Parteiprogramm nicht im Ergebnis wie eine Ansammlung persönlicher Betroffenheitsthemen weißer junger männlicher ITler aussehen wird und nicht wie ein ehrlicher Versuch, die zentralen Themen unserer Gesellschaft anzusprechen; und ich habe den Eindruck, dass genau das in Berlin passiert ist. Schon allein deswegen ist eine Debatte über die ausgewogene Zusammensetzung von Basis UND Repräsentanten der Partei – denn eine Partei, die fast nur von Männern repräsentiert wird, wird einfach keine Massen von Frauen anziehen, so post-gender ist unsere Gesellschaft nicht – notwendig, wenn die Piratenpartei ihren Erfolg aufrechterhalten will, und das vielleicht auch in Bundesländern, in denen der Anteil der Wähler, die mit dem „Aufbrechen binärer Geschlechterkategorien“ nichts anfangen können, noch höher ist als in Berlin. Ich bin gespannt, ob ihnen das gelingt.

Lk 2, 1-20

Ein Beitrag zum Themengebiet Berlin, Gesellschaft, geschrieben am 17. Dezember 2010 von Johanna

Gestern in der arabischen Lektüreübung. Meine letzte Unterrichtsstunde vor Weihnachten. Ich dachte, ich mache mal was, das zur Saison passt. Nur einer der Studenten hat nach den ersten zwei Sätzen den Text erkannt. Und das mit den himmlischen Heerscharen oder „Ehre sei Gott in der Höhe“ war auch eher schwierig. Berlin ist halt heidnisches Territorium. :)

(NB: Ich meine das nicht als Diffamierung der Studierenden; von den muslimischen Studierenden würde ich die Kenntnis des Lukasevangeliums sowieso eher weniger erwarten. Ich finde es nur traurig, dass religiöse Inhalte, die von so großer Bedeutung für unsere Kultur sind, außerhalb des freiwilligen Religionsunterrichtes in den Schulen kaum vermittelt werden, in Berlin noch weniger als anderswo.  Dazu gehören übrigens auch Grundkenntnisse über den Islam.)

وَفِي تِلْكَ الأَيَّامِ صَدَرَ أَمْرٌ مِنْ أُوغُسْطُسَ قَيْصَرَ بِأَنْ يُكْتَتَبَ كُلُّ الْمَسْكُونَةِ. 2 وَهَذَا الاِكْتِتَابُ الأَوَّلُ جَرَى إِذْ كَانَ كِيرِينِيُوسُ وَالِيَ سُورِيَّةَ. 3 فَذَهَبَ الْجَمِيعُ لِيُكْتَتَبُوا كُلُّ وَاحِدٍ إِلَى مَدِينَتِهِ. 4 فَصَعِدَ يُوسُفُ أَيْضاً مِنَ الْجَلِيلِ مِنْ مَدِينَةِ النَّاصِرَةِ إِلَى الْيَهُودِيَّةِ إِلَى مَدِينَةِ دَاوُدَ الَّتِي تُدْعَى بَيْتَ لَحْمٍ لِكَوْنِهِ مِنْ بَيْتِ دَاوُدَ وَعَشِيرَتِهِ 5 لِيُكْتَتَبَ مَعَ مَرْيَمَ امْرَأَتِهِ الْمَخْطُوبَةِ وَهِيَ حُبْلَى. 6 وَبَيْنَمَا هُمَا هُنَاكَ تَمَّتْ أَيَّامُهَا لِتَلِدَ. 7 فَوَلَدَتِ ابْنَهَا الْبِكْرَ وَقَمَّطَتْهُ وَأَضْجَعَتْهُ فِي الْمِذْوَدِ إِذْ لَمْ يَكُنْ لَهُمَا مَوْضِعٌ فِي الْمَنْزِلِ. 8 وَكَانَ فِي تِلْكَ الْكُورَةِ رُعَاةٌ مُتَبَدِّينَ يَحْرُسُونَ حِرَاسَاتِ اللَّيْلِ عَلَى رَعِيَّتِهِمْ 9 وَإِذَا مَلاَكُ الرَّبِّ وَقَفَ بِهِمْ وَمَجْدُ الرَّبِّ أَضَاءَ حَوْلَهُمْ فَخَافُوا خَوْفاً عَظِيماً. 10 فَقَالَ لَهُمُ الْمَلاَكُ: „لاَ تَخَافُوا. فَهَا أَنَا أُبَشِّرُكُمْ بِفَرَحٍ عَظِيمٍ يَكُونُ لِجَمِيعِ الشَّعْبِ: 11 أَنَّهُ وُلِدَ لَكُمُ الْيَوْمَ فِي مَدِينَةِ دَاوُدَ مُخَلِّصٌ هُوَ الْمَسِيحُ الرَّبُّ. 12 وَهَذِهِ لَكُمُ الْعَلاَمَةُ: تَجِدُونَ طِفْلاً مُقَمَّطاً مُضْجَعاً فِي مِذْوَدٍ“. 13 وَظَهَرَ بَغْتَةً مَعَ الْمَلاَكِ جُمْهُورٌ مِنَ الْجُنْدِ السَّمَاوِيِّ مُسَبِّحِينَ اللهَ وَقَائِلِينَ: 14 „?لْمَجْدُ لِلَّهِ فِي الأَعَالِي وَعَلَى الأَرْضِ السَّلاَمُ وَبِالنَّاسِ الْمَسَرَّةُ“. 15 وَلَمَّا مَضَتْ عَنْهُمُ الْمَلاَئِكَةُ إِلَى السَّمَاءِ قَالَ الرُّعَاةُ بَعْضُهُمْ لِبَعْضٍ: „لِنَذْهَبِ الآنَ إِلَى بَيْتِ لَحْمٍ وَنَنْظُرْ هَذَا الأَمْرَ الْوَاقِعَ الَّذِي أَعْلَمَنَا بِهِ الرَّبُّ“. 16فَجَاءُوا مُسْرِعِينَ وَوَجَدُوا مَرْيَمَ وَيُوسُفَ وَالطِّفْلَ مُضْجَعاً فِي الْمِذْوَدِ. 17 فَلَمَّا رَأَوْهُ أَخْبَرُوا بِالْكَلاَمِ الَّذِي قِيلَ لَهُمْ عَنْ هَذَا الصَّبِيِّ. 18 وَكُلُّ الَّذِينَ سَمِعُوا تَعَجَّبُوا مِمَّا قِيلَ لَهُمْ مِنَ الرُّعَاةِ.  19 وَأَمَّا مَرْيَمُ فَكَانَتْ تَحْفَظُ جَمِيعَ هَذَا الْكَلاَمِ مُتَفَكِّرَةً بِهِ فِي قَلْبِهَا. 20 ثُمَّ رَجَعَ الرُّعَاةُ وَهُمْ يُمَجِّدُونَ اللهَ وَيُسَبِّحُونَهُ عَلَى كُلِّ مَا سَمِعُوهُ وَرَأَوْهُ كَمَا قِيلَ لَهُمْ.