Archiv für das Themengebiet 'Bücher'

Erscheint bald:

Ein Beitrag zum Themengebiet Ägypten, Bücher, geschrieben am 6. August 2014 von Johanna

Es war viel Arbeit und hat viel Spaß gemacht:

 

Der Internet-Sammelband ist fertig!

Ein Beitrag zum Themengebiet Bücher, Computer & Internet, Wissenschaft, geschrieben am 19. März 2009 von Johanna

„Von Chatraum bis Cyberjihad. Muslimische Internetnutzung in lokaler und globaler Perspektive“

Herausgegeben von Matthias Brückner und mir, erschienen bei Ergon (Würzburg).

Buchinfo

Chicago

Ein Beitrag zum Themengebiet Bücher, geschrieben am 28. Juni 2008 von Johanna

Nach einem Weltbestseller-Erstling einen Folgeroman zu schreiben ist immer eine Herausforderung. So auch für Alaa al-Aswani, den Autor des ägyptischen Erfolgsbuchs „Der Yakubiyan-Bau“, das mir gut gefallen hatte. „Chicago“ hat mich weniger überzeugt.

Das Konzept des ersten Romans hat al-Aswani 1:1 übernommen, nämlich die ineinander verwobenen Geschichten zahlreicher nur lose miteinander verbundenen Figuren zu erzählen und dadurch ein Panorama zu zeichnen; der Leser muss seine Aufmerksamkeit immer wieder auf neue Erzählstränge lenken, wobei wiederholt eingesetzte Cliffhanger-Effekte dafür sorgen, dass die Versuchung, vorzublättern, recht hoch ist – man will halt doch immer wissen, wie es mit der Figur weitergeht, bei der man sich gerade befindet. Beim Yakubiyan-Bau fand ich dieses Konzept trotzdem  sehr gelungen; bei „Chicago“ wirkte es auf mich eher ermüdend und abgenutzt .

Das Buch spielt in Chicago und dreht sich um eine Reihe von Ägyptern und mit ihnen in Verbindung stehenden Amerikanern, die am Institut für Histologie der Universität arbeiten oder promovieren. Einige Erzählstränge sind fesselnd, glaubwürdig und authentisch, und das sind vor allem die, die mehr mit Ägypten als mit Amerika zu tun haben; andere wirken klischeehaft, geradezu naiv, etwa wenn es um die crackabhängige Tochter eines Professors geht oder um eine junge Schwarze, die wegen ihrer Hautfarbe keine Arbeit findet, obwohl sie alles versucht (wirkt gerade so, als ob in Amerika 0% der Schwarzen einen Job haben), und schließlich anzügliche Unterwäschewerbung machen muss. Die Schilderungen der amerikanischen Unternehmens- und Agenturszene sind einfach absurd.

Ziemlich ermüdend fand ich bei diesem Buch auch den (für arabische Romane nicht ganz untypischen) Hang zur Tragödie. Auf den letzten paar Seiten gibt es nicht weniger als einen Tod durch Überdosis, einen Selbstmord und eine Abtreibung, außerdem eine Scheidung sowie eine Verhaftung und Folterung durch den amerikanischen Geheimdienst wegen Terrorismusverdachts. Die etwas matte Andeutung eines Mehr-oder-weniger-Happy-Ends in dem zentralen Erzählstrang kann das nicht wirklich wettmachen. Es ist einfach etwas arg dick aufgetragen, da kann man sich irgendwann auch nicht mehr dazu durchringen, mit all diesen an der bösen Welt Gescheiterten noch Mitleid zu haben. Zumal gerade die doch recht drastischen Entwicklungen am Schluss des Buches hastig dahinerzählt sind und den Leser etwas ratlos zurücklassen.

Die Übersetzung ins Deutsche hat das Lesevergnügen noch zusätzlich getrübt. Meist ist sie einfach zu wörtlich; im Deutschen lächelt man z.B. nicht „naiv“, sondern „dümmlich“ usw. Bei den Dialogen fällt das besonders unangenehm auf. Wenn Ägypter reden, mag der etwas arg orientalische Sprachduktus ja noch angehen, aber in dem Buch reden nun mal auch amerikanische Charaktere, und denen hätte man nun wirklich eine andere Sprechweise verpassen müssen. Mit Charakteren mitzufühlen, die sich so lebensfern ausdrücken wie in dieser Übersetzung, ist nahezu unmöglich.

So ist „Chicago“ zwar nett zu lesen, durchaus spannend und mit einigen guten und authentischen Szenen, aber alles in allem doch eher enttäuschend und in der deutschen Übersetzung oft richtiggehend ärgerlich.

Mehr aus der Scholl-Latour-Klischeekiste

Ein Beitrag zum Themengebiet Bücher, Gesellschaft, Islam, geschrieben am 10. Oktober 2007 von Johanna

Das Spiel mit den klischeehaften Islam-Buchtiteln lässt sich problemlos auf die zugehörigen Cover übertragen. Auch hier ist der Titel von Lüders („Allahs langer Schatten“) ein trefflicher Ausgangspunkt:

allahs_langer_schatten.jpg

Ein Cover mit einer verschleierten Frau drauf? Habe ich das nicht irgendwo schon einmal gesehen?

Jo, könnte sein. Diese hier zum Beispiel:

prinzessin_saud.jpg allahs_rache.gif kaempfte_allah.jpg
braeute_allahs.jpg toechter_allahs.jpg mahmoody.jpg

Ich unterstelle übrigens den Verlagen keine generelle Islamfeindlichkeit. Die brauchen halt eingängige Symbole, und bei Islam denkt nun mal jeder an Frauen mit Kopftuch und/oder Schleier. Leider, leider macht das die Titelbilder sehr nichtssagend und die Bücher total verwechselbar.

Der Bart des Propheten

Ein Beitrag zum Themengebiet Bücher, Islam, geschrieben am 10. Oktober 2007 von Johanna

Gerade las ich eine kurze Rezension des neuen Buchs des Islamwissenschaftlers Michael Lüders. Es trägt den bahnbrechenden Titel „Allahs langer Schatten“ – oder war es „langer Atem“? Nein, doch Schatten.

Tolle Vorstellung: Da schreibt man monatelang an einem Buch herum, das fundiert, ausgewogen, allgemeinverständlich und gut lesbar sein soll… und dann greift ein Verlagsmitarbeiter tief in die Scholl-Latour-Klischeekiste und zieht einen Titel hervor, der das Buch zum Verkaufsschlager machen soll.

Preisfrage: Welchen der folgenden Titel gab es noch nicht auf dem deutschen Buchmarkt?

  • Das Schwert des Islam
  • Der Bart des Propheten
  • Das Gesetz Allahs
  • Allah ist mit den Standhaften
  • Allahs neues Weltreich
  • Allahs Tränen
  • Allahs Töchter
  • Die Bräute Allahs
  • Der Djihad des Propheten
  • Heiliger Krieg in Europa
  • Allahs falsche Propheten
  • Fanatische Krieger im Namen Allahs
  • Imperialismus im Namen Allahs
  • Tod im Namen Allahs
  • Im Schatten Allahs
  • Leben unter dem Halbmond
  • Christen unterm Halbmond
  • Im Lichte des Halbmonds
  • Europa unter dem Halbmond
  • Schwestern unterm Halbmond
  • Von Gott zu Allah?
  • Das Lächeln des Propheten
  • Propheten des Terrors
  • Unter der grünen Fahne des Propheten
  • Unter dem Banner des Islam

Ich habe das Ganze als Umfrage in die Seitenspalte gesetzt. Bitte mitmachen. Und nicht vorher bei Amazon nachschauen! :-)

P.S.: Der Untertitel des Buchs von Lüders lautet übrigens „Warum man vor dem Islam keine Angst haben muss“. Ein guter Untertitel zu einem blöden Titel.

P.P.S.: Bei jedem Amazon-Besuch finde ich weitere Titel für die Liste: Allahs Frauen, Allahs Schleier, Insch’Allah…

Conni wird Hausfrau

Ein Beitrag zum Themengebiet Bücher, Familie, Gesellschaft, geschrieben am 29. August 2007 von Johanna

Bin ich zu selbstbezogen? Es stört mich immer ziemlich, wenn in Kinderbüchern Rollenbilder und Familienklischees auftauchen, mit denen ich mich nicht identifizieren kann und in denen ich auch unser Familienleben nicht wiederfinde. Z.B. lässt sich Ladis derzeit mit Begeisterung „Conni geht zum Arzt“ vorlesen, das wir irgendwann mal als Pixi-Buch geschenkt bekommen haben. Connis Mama ist in diesem Buch natürlich zeitlich total ungebunden, und deswegen geht Conni halt einfach mal vormittags nicht in den Kindergarten, wenn eine Vorsorgeuntersuchung beim Arzt ansteht. So ist das in ganz vielen Kinderbüchern: Kleinkinder bis drei Jahren sind natürlich zuhause bei Mama, und Mama macht auch später im Leben nix Besonderes, außer Mama zu sein, während Papa nur gelegentlich da ist.

Das andere finde ich nicht so schlimm: Babys werden in den ganzen „Ich kriege ein Geschwisterchen“-Büchern halt in Rückenlage geboren, kriegen Fläschchen, haben alle einen Schnuller usw. usf. Okay, das war bei uns zwar nicht so (naja, Ladis hatte einen Schnuller, Luzie nicht), aber was soll’s. Die Bücher wollen nun mal den kleinsten gemeinsamen Nenner treffen. So herum ist es mir immer noch lieber als in dem Alternativ-Kinderbuch „Süße Milch für Jules Bruder“, in dem Kinder natürlich zuhause geboren werden, jahrelang gestillt werden und Stoffwindeln haben, und dies alles ist selbstverständlich viiieeeel besser als Krankenhausgeburten, Fläschchen und Wegwerfwindeln. Das finde ich persönlich zwar auch, aber deswegen muss ich mich ja nicht gleich als besserer Mensch fühlen und pausenlos heraushängen lassen, wie alternativ, anders und „bewusst“ ich doch lebe. Bei den Alternativen bleibt Mama, abgesehen davon, ja meist auch zuhause. Oder erst recht. Diese Rollenbilder sind es, die mich wirklich stören.

Übrigens ärgert mich das Conni-Buch auch deswegen, weil ich es total unmöglich finde, dass der Arzt das Kind die ganze Zeit nackt sein lässt, während er sie ausfragt, Musik hören, auf einem Bein hüpfen lässt usw. So etwas würde ich mir von einem Frauenarzt schließlich auch nicht bieten lassen.

Tja, Ladis liebt das Buch trotzdem und möchte derzeit Kinderarzt werden. Und Lorenz und ich sollen auch Kinderärzte werden. Ladis findet es beim Kinderarzt einfach toll. :-)

Meine persönliche Harry Potter-Rangliste

Ein Beitrag zum Themengebiet Bücher, geschrieben am 29. August 2007 von Johanna

1. Prisoner of Azkaban (Band 3)

2. Half-Blood Prince (Band 6)

3. Deathly Hallows (Band 7)
3. Philosopher’s Stone (Band 1)

5. Order of the Phoenix (Band 5)

6. Chamber of Secrets (Band 2)

7. Goblet of Fire (Band 4)

The Deathly Hallows

Ein Beitrag zum Themengebiet Bücher, geschrieben am 24. Juli 2007 von Johanna

Wenn es nach diesem hier noch einen Harry Potter gäbe, würde ich ihn vermutlich nicht noch einmal bei Amazon bestellen, denn er kam gemeinerweise erst Samstag nachmittag bei mir an – welch Folter! Außerdem würde ich beantragen, dass die Kita zu solchen Anlässen ausnahmsweise am Wochenende geöffnet hat. Es ist einfach eine Zumutung, zu verfolgen, wie Harry von Voldemorts Anhängern gefangen genommen wird, und dabei ständig irgendwelche Kinderfragen beantworten zu müssen. *grummel* Meine Versuche, mir für dieses Wochenende Kinderbetreuung zu organisieren, waren leider nicht sonderlich erfolgreich, weil keiner die Wichtigkeit meines Anliegens so recht zu schätzen wusste *megagrummel*.

Okay. Ohne jetzt zu viel verraten zu wollen: Ich finde das Buch gut. Allerdings gibt es relativ wenig Anlass zum Lachen und eine riesige Menge Tote – aber trotzdem ist alles am Ende sehr versöhnlich. Vor den ganz großen Hämmern ist Rowling dann doch zurückgeschreckt. Finde ich aber auch in Ordnung, es muss ja nicht in jedem Band eine Hauptfigur dran glauben. Das Ende fand ich z.T. etwas undurchschaubar, es artete in Voldemort-Seelen-Arithmetik aus. Aber vielleicht liegt das auch nur daran, dass ich mich nicht uneingeschränkt darauf konzentrieren konnte.

Ich fand, man hat dem Buch deutlich angemerkt, dass die Autorin ungefähr in derselben Lebensphase steckt wie ich, nämlich Mutter mit kleinen Kindern. Ständig geht es um Eltern, deren Kinder sterben oder nicht sterben sollen, oder Kinder, deren Eltern sterben oder nicht sterben sollen, und es ist alles sehr emotional. Ich kann das gut verstehen. Mir ginge das auch so, wenn ich jetzt ein Buch schreiben würde. :-)

Die Art, wie die Figuren und die Handlung sich entwickeln, fand ich insgesamt folgerichtig. Das Buch war spannend wie immer und ein würdiger Abschluss der Serie. Die Leute sind zum Glück auch nicht mehr ganz so pubertär wie in Band fünf, das fand ich etwas anstrengend.

Es dringt jetzt erst so richtig zu mir durch, dass kein achter Band kommen wird. Aus, Schluss, das war’s. Das Warten auf den nächsten Harry Potter hat mich die letzten ca. acht Jahre begleitet… und jetzt  kann ich nur noch die alten Bände wieder lesen. Traurig.

Das stille Mädchen

Ein Beitrag zum Themengebiet Bücher, geschrieben am 4. Juli 2007 von Johanna

Der (relativ) neue Roman von Peter Høeg ist schon spannend, doch. Ich habe mehrere Tage nur geistesabwesend mit meiner Familie kommuniziert, während ich das Geschick von Kasper Krone verfolgt habe, bin viel zu spät schlafen gegangen und musste mich sehr zurückhalten, das Buch nicht zur Arbeit mitzunehmen.

Ich muss einschieben, dass ich schon von Høegs „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ gefesselt war; ich erinnere mich an ein Wochenende, das ich von morgens bis abends mit Lesen verbracht habe… nur um das Buch dann gleich noch einmal durchzulesen (damals hatte ich noch Zeit!). „Fräulein Smilla“ ist heute noch eines meiner Lieblingsbücher.

„Das stille Mädchen“ kann da nicht ganz mithalten. Über weite Strecken konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es, so spannend es ist, „Fräulein Smilla“ einfach zu ähnlich ist. Die Hauptperson ist mittelalt, gescheiterte Existenz und sozialer Außenseiter, dabei wahnsinnig intelligent, schlagfertig und mit vielen Talenten gesegnet und verfügt außerdem über eine außergewöhnliche Begabung. Und über einen Papa, der im Zweifelsfall weiter weiß. Es geht um ein Kind (in einem Fall tot, in dem anderen entführt), um einen bizarren Fall von organisierter Wirtschaftskriminalität, es ist alles sehr mysteriös, und das Ende ist irgendwie unbefriedigend. Aber die Hauptperson hat dafür wenigstens Glück in der Liebe.

Bei „Fräulein Smilla“ hat das alles gut funktioniert, beim „Stillen Mädchen“ war ich hingegen letztlich unbegeistert. Die Auflösung ist zum Teil vorhersehbar, zum Teil wirklich enttäuschend, weil sie die Handlung des ganzen Buches entwertet, und die ganzen religiösen Bezüge und Ideen finde ich verschroben und ziemlich gewollt. Dass ständig von „Gott die Herrin“ die Rede ist, ist da noch das kleinere Problem. Letztlich fand ich das ganze Konstrukt einfach unplausibel. Dass das Buch vorher so spannend war, hat nur die Enttäuschung angesichts des nicht überzeugenden Ausgangs gesteigert.

So richtig schlecht ist es nicht, aber wenn man es nicht gelesen hat, hat man auch nichts verpasst. Das ist bei „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ anders.

Ladis‘ Top Five Hitparade

Ein Beitrag zum Themengebiet Bücher, Familie, geschrieben am 23. Februar 2007 von Johanna

… der Vorlesebücher:

Das große Bilderbuch von Michel aus Lönneberga

Petterson und Findus: Eine Geburtstagstorte für die Katze (Hauptthema dieses Buches ist das Backen einer Pfannkuchentorte, und Pfannkuchen sind Ladis‘ große Obsession im Moment)

Dieselben: Ein Feuerwerk für den Fuchs

Wo die Wilden Kerle wohnen (da stört ihn nur, dass am Ende, wo Max wieder in seinem Zimmer ist und das Essen auf dem Tisch steht und es ist noch warm, an dem Tisch kein Stuhl steht, und wo soll der arme Max dann bitte sein Essen essen? „Die Mama hat den Stuhl vergessen!“)

Der Grüffelo (und die Fortsetzung, „Das Grüffelokind“ – aus Erwachsenensicht deutlich schwächer, aber Ladis stört das nicht)