Archiv für das Themengebiet 'Computer & Internet'

Meldung und Wahrheit: Schweine und Moscheen

Ein Beitrag zum Themengebiet Computer & Internet, Gesellschaft, Islam, geschrieben am 17. Juni 2013 von Johanna

Dieser Tage grassiert mal wieder eine Meldung auf den sozialen Medien, die für viel Aufregung unter Muslimen sorgt:

„Ganz ohne Proteste oder rechtliche Schritte haben Bürger der spanischen Stadt Sevilla den Bau einer weiteren Moschee verhindert. Nachdem bekannt geworden war, dass eine staatliche Behörde der islamischen Gemeinde ein Grundstück zum Bau eines Gotteshauses verkauft hatte, vergruben sie auf dem Bauplatz ein totes Schwein. Anschließend sorgten sie dafür, dass die lokalen Medien über die Aktion berichteten. Das Schwein gilt im Islam grundsätzlich als unrein und sein Verzehr ist den Gläubigen nach dem Koran verboten. Aus diesem Grund ist die Errichtung einer Moschee auf einem durch einen Schweine­kadaver „verseuchten“ Gelände ausgeschlossen. Die islamische Gemeinde gab ihre Baupläne daher auf.“

Wenn man nach der Quelle dieser Meldung sucht, stellt man fest, dass sie ausschließlich auf Islamgegnerwebseiten wie pi-news oder reconquista-europa zu finden ist, dort aber überall wortgleich; sie stammt vom September 2011. Also schon einmal kein aktuelles Ereignis. Die interessante Frage, warum solche Sachen eigentlich periodisch immer wieder viral werden, ist hier zu vernachlässigen. Weiterhin stellt man fest, dass damals die Meldung offensichtlich inspirierend gewirkt hat, denn es gibt gleichartige, in diesem Fall aber auch in seriösen Medien erschienene Meldungen vom November 2011 über den Moscheestreit im schweizerischen Grenchen, in dem Moscheegegner versuchten, sich durch das Hinterlassen toter Schweine zu „wehren“. Das scheint die muslimische Gemeinde nicht am Weiterverfolgen ihrer Bauabsichten gehindert zu haben, wie man aktuellen Berichten der Lokalpresse entnehmen kann, aus denen auch hervorgeht, dass der Bau bislang am Fehlen eines Finanzierungsnachweises gescheitert ist.

Auf englischsprachigen Seiten tauchte die Sevilla-Geschichte schon im Herbst 2010 auf. PI & Co. haben also relativ lange gebraucht, um die Geschichte zur Kenntnis zu nehmen, und interessierten sich offenbar auch weder dafür, ob es einen Faktenhintergrund gibt (sie ergehen sich lieber in Begeisterungsstürmen über die schlauen Spanier und Bedauern über die armen Schweine), noch dafür, ob sich irgendwelche Muslime dadurch tatsächlich am Bau einer Moschee hindern ließen. Man hält Muslime auf diesen Seiten für so dumm und abergläubisch, dass man ihnen das ohne Weiteres zutraut.

Noch weiter zurück: Die NY Times behauptet 2008, das Ganze sei 2005 passiert, aber nur mit einem Schweinekopf und nicht mit einem ganzen Schwein. Schweineköpfe vor Moscheen zu deponieren oder hineinzuwerfen scheint – wenn man spezifisch danach googelt – in diversen Ländern Volkssport zu sein, insbesondere in Großbritannien. Es führt aber nicht dazu, dass die Moscheen abgerissen werden oder der Gebetsbetrieb eingestellt wird.

Wenn man zu dem angeblichen Vorfall in Sevilla 2005 spanische Meldungen sucht, geht es auf einmal um die Schlachtung eines Schweines auf dem potenziellen Baugrund, aber so richtig viele Reaktionen hat das offenbar nicht hervorgerufen. Und wenn man nach Gründen dafür sucht, warum die Moschee dann dort nicht gebaut wurde, kommen gar keine Schweineköpfe mehr darin vor, sondern es geht ganz einfach um ein Behördenveto gegen den Bau von Kultstätten auf staatlichem Land in Folge eines Gerichtsurteils. Das ist natürlich kein Schenkelklopfer für Islamhasser.

Vom Türken zum Muslim

Ein Beitrag zum Themengebiet Computer & Internet, Gesellschaft, Islam, geschrieben am 3. November 2011 von Johanna

Ngrams sind ein nettes Tool, um die historische Entwicklung von Begriffen im Korpus von Google Books darstellen zu lassen. Leider fallen mir dafür immer nur Anwendungsmöglichkeiten ein, die das Offensichtliche illustrieren, wie diese hier. Trotzdem nett, es einmal graphisch bestätigt zu sehen.

LaTeX-Vorlage für Hausarbeiten

Ein Beitrag zum Themengebiet Computer & Internet, Wissenschaft, geschrieben am 17. November 2010 von Johanna

Auf mehrfachen Wunsch von Studierenden habe ich mir die Zeit genommen und aus den zwei Büchern, die ich bisher in LaTeX gesetzt habe, sowie einer alten Hausarbeit eine LaTeX-Vorlage für (islam-)wissenschaftliche Arbeiten gebastelt. Sie beruht auf XeLaTeX (also Verwendung von Unicode-Zeichensätzen) und verwendet biblatex für die Literaturverwaltung. Das entsprechende Bib-Dokument liegt bei. In der Vorlage finden sich auch Beispiele für das Einsetzen von Abbildungen, Tabellen und arabischem Text. Nähere Erläuterungen, u.a. zu den benötigten Paketen, finden sich zu Beginn des .tex-Dokuments. Herunterladen kann man das Ganze von der Webseite des Instituts für Islamwissenschaft der Freien Universität Berlin, und zwar hier.

Brill-Buch in LaTeX

Ein Beitrag zum Themengebiet Computer & Internet, Wissenschaft, geschrieben am 1. September 2010 von Johanna

Voraussichtlich im November wird meine Habilschrift bei Brill erscheinen. Ich habe sie in LaTeX selbst gesetzt und musste dafür jede Menge Probleme lösen, die vielleicht nur Geisteswissenschaftler haben – jedenfalls habe ich im Internet nichts dazu gefunden und brauchte öfters die Hilfe von Leuten, die sich mit LaTeX viel besser auskennen als ich. Damit eine künftige Google-Suche anderen in ähnlicher Lage mehr Erfolg bringt, hier ein kurzer Überblick:

\documentclass[twoside,fontsize=10.5pt,pointlessnumbers,parindent,
german,cleardoubleempty,headings=twolineappendix,toc=index]{scrbook}
\setlength {\paperheight}{240mm}
\setlength {\paperwidth}{160mm}
\usepackage[inner=18mm,outer=33mm,top=27mm,bottom=31mm]{geometry}
\setlength{\headsep}{4mm} %Abstand Kopfzeile - Text
\setlength{\skip\footins}{3mm} %Abstand Text - Fußnoten

Eigentlich will Brill andere Seitenränder als hier eingestellt, z.B. oben 17mm statt 27, aber aus irgendeinem Grund scheint genau diese Einstellung das gewünschte Ergebnis zu liefern.

Dann das Übliche:

\usepackage[ngerman]{babel}
\usepackage{textcomp,url}
\usepackage[T1]{fontenc}
\usepackage[applemac]{inputenc}
\usepackage{mathptmx} %TIMES! Brill möchte einen Times-ähnlichen Zeichensatz.
\usepackage{setspace,fix-cm} %selbstgewählter Zeilenabstand, selbstgewählte Schriftgrößen
\urlstyle{same} %Damit die URLs nicht in Couries oder so was erscheinen
\usepackage{arabtex,atrans,nashbf} %Arabisch (veraltet, kann man heute durch XeLaTeX viel besser lösen, habe ich aber zu spät gemerkt - außerdem ist das koranische Arabisch damit sehr gut gelungen.)
\usepackage{longtable,array,ragged2e} %lange Tabellen, Tabellenlayout, ohne Blocksatz
\usepackage{booktabs} %schönere Tabellen
\usepackage{graphicx,pdfpages} %um PDFs einzubinden, wird auch von anderen Paketen wie semtrans benutzt
\usepackage{microtype} %besserer Umbruch
\usepackage{smartref} %Querverweise auf Kapitel, Abschnitte usw. verbessert
\addtoreflist{chapter} %gehört zu smartref
\addtoreflist{section}
\addtoreflist{subsection}

Natürlich muss man die ganzen Kapitelüberschriften umstellen, Brill will keine serifenfreien Schriften. Außerdem sollen die Kapitel „Kapitel Eins“ und nicht „1.“ oder so heißen. Das konnte ich nur zum Teil in KomaScript lösen, zum Teil war es viel komplizierter und wurde mir von anderen netten Leuten zurechtgebastelt. :)

\renewcommand{\thechapter}{Kapitel \spelled{chapter}}
\setkomafont{section}{\normalfont \rmfamily \centering \scshape \fontsize{10.5pt}{11pt}}
\setkomafont{subsection}{\normalfont \rmfamily \centering \itshape \fontsize{10.5pt}{12pt}}
\setkomafont{subsubsection}{\normalfont \rmfamily \itshape \fontsize{10.5pt}{12pt}}
\setkomafont{minisec}{\normalfont \itshape \rmfamily \fontsize{10.5pt}{12pt}}
\setkomafont{footnotelabel}{\rmfamily \fontsize{9pt}{12pt}}
\usepackage{titlesec,blindtext} %Formatierung der Überschriften
\titlespacing{\subsubsection}{0pt}{12pt}{*0}
\makeatletter
\newcommand*{\spelled}[1]{%
\expandafter\@spelled\csname c@#1\endcsname
}
\newcommand*{\@spelled}[1]{%
\ifcase#1\or{Eins}\or{Zwei}\or{Drei}\or{Vier}\or{Fünf}\else\@ctrerr\fi
}
\makeatother
\titleformat{\chapter}[display]
{\centering\small}
{\MakeUppercase{\thechapter}}{12pt}{\MakeUppercase}[]
\titlespacing*{\chapter}{0pt}{42pt-\topskip-6pt}{28pt}
\usepackage{titletoc} %Für die Darstellung der Kapitel und Abschnitte im Inhaltsverzeichnis
\contentsmargin[18pt]{2.5em}
\titlecontents{chapter}
[0pt]  %Rand links
{\addvspace{1.5pc}} %globale Formatierung
{\contentspush{\hspace*{5mm}}\hspace*{-5mm}\thecontentslabel:~} %Labeltext mit Zeilenumbruch
{} %Text, falls ohne Label
{\titlerule*[.3pc]{.}\contentspage} %Das sind die Pünktchen
[\addvspace{.0pc}] %Code danach, z.B. für Abstand
\titlecontents{section}
[11pt]
{}
{\contentspush{\hspace*{5mm}}\hspace*{-5mm}\thecontentslabel~}
{} %Text, falls ohne Label
{\titlerule*[.3pc]{.}\contentspage}
[\addvspace{.0pc}]
\titlecontents{subsection}
[22pt]
{}
{\contentspush{\hspace*{5mm}}\hspace*{-5mm}\thecontentslabel~} %Labeltext mit Zeilenumbruch
{} %Text, falls ohne Label
{\titlerule*[.3pc]{.}\contentspage}
[\addvspace{.0pc}]


\renewcommand{\thesection}{\Alph{section}.} %Nummerierung der Abschnitte
\renewcommand{\thesubsection}{\arabic{subsection}.}
\renewcommand{\thesubsubsection}{\thesubsection\arabic{subsubsection}}

So gehen die Fußnoten:
\deffootnote[3em]{0em}{1em}{%
\makebox[2em][l]{\textsuperscript{\thefootnotemark}}}
\setfootnoterule{19mm}
\usepackage{chngcntr} %Kapitelweise Fußnotenzählung
\counterwithin*{footnote}{chapter}

Die Bibliographie habe ich mit Biblatex gemacht, da gab es zum Glück keine superdetaillierten Vorgaben. Man braucht die ganz aktuelle Biblatex-Version, denn es gab einen Bug bei der Sortierung der Einträge (wenn man Abstände zwischen den einzelnen Buchstaben des Alphabets haben will), den ich gemeldet habe und der jetzt behoben ist. Dank an Philipp Lehman.

\usepackage[style=authortitle-dw,idembibformat=dash,idemtracker=false]{biblatex}
\defbibheading{PQ}{\section*{Primärquellen}}
\defbibheading{SQ}{\section*{Sekundärquellen}}
\defbibfilter{PQ}{\keyword{Quellen}}
\defbibfilter{SQ}{\not\keyword{Quellen}}
\bibliography{primaer,sekundaer}
\renewcommand{\bibfont}{\footnotesize}
\setlength{\bibinitsep}{10.5pt}

Mit Semtrans habe ich mir ‚ayn und hamza selbstgebastelt (das Paket bietet beides zwar auch an, die sitzen aber viel zu tief und sehen supermerkwürdig aus). Damit das Ganze in den Kapitelüberschriften funktioniert, braucht man übrigens vor dem Hamza einen \protect-Befehl. Aber wirklich nur für die Überschriften.

\usepackage{semtrans}
\newcommand{\ain}{\textsuperscript{c}}
\newcommand{\hamza}{\textsuperscript{\T{c}}}

Der Index ist nicht weiter erwähnenswert, außer man will die Schriftgröße verändern:
\usepackage{makeidx}
\makeindex
\usepackage[font=footnotesize]{idxlayout} %Schriftgröße des Index

Sonstige Satzparameter:
\raggedbottom %vertikale Absätze nicht nach unten ziehen
\clubpenalty = 10000 %Hurenkinder und Schusterjungen vermeiden
\widowpenalty = 10000 \displaywidowpenalty = 10000
\interfootnotelinepenalty=10 %Wichtig, damit Fußnoten im Zweifel umgebrochen werden und nicht halbe Seiten leer bleiben, weil die Fußnote in einem Stück bleiben soll.

Das Blockzitat musste ich neu definieren (im Text dann immer mit \begin{Zitat} und \end{Zitat}):
\newenvironment{Zitat}{%
\begin{spacing}{1}%
\begin{addmargin}[21pt]{0pt}%
\vspace{6pt}%
\begin{small}%
}
{%
\end{small}%
\vspace{6pt}%
\end{addmargin}%
\end{spacing}
}

Und last but not least:
\usepackage{fancyhdr} %Kopf- und Fußzeilen

Dann kann das Dokument losgehen:
\begin{document}
\pagestyle{fancy} %Definition der Kopfzeilen und (leeren) Fußzeilen
\fancyhead[CO]{\rmfamily \small \MakeUppercase \rightmark}
\fancyhead[CE]{\rmfamily \small \MakeUppercase \leftmark}
\fancyhead[LE,RO]{\small \thepage}
\fancyhead[LO,RE]{}
\fancyfoot[L,R]{}
\fancyfoot[C]{}
\setcounter{tocdepth}{2} %Tiefe der Abschnitte im Inhaltsverzeichnis
\setcounter{secnumdepth}{4} %Nummerierung von Abschnitten
\frontmatter %andere Seitenzahlen
\spacing{1.05} %Zeilenabstand
%Hier werden die "plain"-Seiten neu definiert, damit nicht auf Startseiten von Kapiteln wieder Seitenzahlen am Fuß auftauchen
\fancypagestyle{plain}{%
\fancyhf{} % clear all header and footer fields
\renewcommand{\headrulewidth}{0pt}
}
\pagestyle{fancy} %Löschen der Linie unter der Kopfzeile
\renewcommand{\headrulewidth}{0pt}

Im Text habe ich mit \frontmatter und \mainmatter operiert.

Inhaltsverzeichnis:
\renewcommand{\leftmark}{Inhaltsverzeichnis}\renewcommand{\rightmark}{Inhaltsverzeichnis}
\tableofcontents

Die Kapitel fangen so an (um die Kopf- und Fußzeilen zu definieren):

\chapter{Einleitung}\thispagestyle{empty}
\renewcommand{\rightmark}{Einleitung} %Die rechte Kopfzeile entspricht oft nicht exakt dem Kapitelnamen, sondern ist kürzer, daher definiere ich die immer extra
\renewcommand{\leftmark}{\chaptertitlename~\spelled{chapter}}

Für nachfolgende Kapitel muss dann nur noch die \rightmark neu definiert werden.

Für die Anhänge ist noch zu beachten:

\begin{appendix}
\renewcommand{\thechapter}{Anhang \spelled{chapter}}
\end{appendix}

Literaturverzeichnis und Index:

\chapter*{Literaturverzeichnis}
\renewcommand{\rightmark}{Literaturverzeichnis}\renewcommand{\leftmark}{Literaturverzeichnis}
\addcontentsline{toc}{chapter}{Literaturverzeichnis}
\nocite{*}
\printbibliography[heading=PQ,filter=PQ]
\printbibliography[heading=SQ,filter=SQ]
\renewcommand{\rightmark}{Index} \renewcommand{\leftmark}{Index}
\printindex
\end{document}

Falls es jemand gebrauchen kann: Viel Spaß damit. :-)

Neue Umfrage

Ein Beitrag zum Themengebiet Computer & Internet, Gesellschaft, Wissenschaft, geschrieben am 26. November 2009 von Johanna

Nach längerer Zeit mal wieder eine neue Umfrage, geboren aus einem ganz aktuellen Interesse:

Ich unterrichte gerade ein Seminar zum Internet, das sich für mich selbst als methodisch und theoretisch sehr spannend erweist. Momentan geht es um verschiedene Nutzungsformen des Internet, und ich frage mich gerade, ob ich in meiner Themenwahl nicht schon wieder dem aktuellen Stand hinterherhinke und mich auf Sachen konzentriere, die vor 4-8 Jahren angesagt waren. Klar, über die gibt es natürlich Sekundärliteratur. :)

Eine – wie immer total unrepräsentative – Einschätzung, welches Internetmedium gerade hip, angesagt und im Trend ist, würde mich freuen! Eigene Hinzufügungen sind möglich.

Arabisch und LaTeX mal wieder: IJMES-Umschrift, meine Lösung

Ein Beitrag zum Themengebiet Computer & Internet, geschrieben am 17. Juli 2009 von Johanna

Da (s.u.) ArabTeX bei dem Sammelband, den ich gerade setze, Kompatibilitätsprobleme verursacht, musste ich es rausschmeißen. Ich brauche aber diverse Transliterationszeichen, um eine IJMES-artige Umschrift setzen zu können. Mit XeLaTeX wäre das kein Problem, aber das geht aus diversen anderen Gründen nicht…

Das Problem sind vor allem ‘Ayn und Hamza. Und dafür habe ich habe eine Lösung gefunden, auf die ich ganz stolz bin:

\usepackage{graphicx}

\usepackage{semtrans} %Ggf. installieren

\newcommand{\ayn}{\textsuperscript{c}}
\newcommand{\hamza}{\textsuperscript{\T{c}}}

Und dann einfach nur noch \ayn und \hamza verwenden, wann immer man die entsprechenden Zeichen braucht – voilà!

Ansonsten braucht man für IJMES nur noch Punkte unter einigen Konsonanten, die kriegt man mit \d{s} usw., und Striche über den Vokalen, die kriegt man mit \={a}, \={u} und {\=\i}. I ist anders, damit es nicht so langweilig wird. :-)

LaTeX-Unverträglichkeit

Ein Beitrag zum Themengebiet Computer & Internet, geschrieben am 17. Juli 2009 von Johanna

ArabTeX und großes polnisches Ł (in LaTeX: {\L}) vertragen sich nicht. Das L mit Hacek erscheint nicht im PDF. Und das steht nirgendwo im Internet. Daher: Das musste jetzt mal gesagt werden. :-)

Mindmap-Software für den Mac

Ein Beitrag zum Themengebiet Computer & Internet, geschrieben am 26. Juni 2009 von Johanna

Eine Fortbildung hat mich inspiriert, einen Versuch mit dem Mindmap-Prinzip zur Strukturierung meiner Fakten und Thesen für Vorträge oder Publikationen zu unternehmen. Obwohl ich ein gewisses Widerstreben gegen die Verwendung von hochgehypeten Management-Techniken für meine wissenschaftliche Arbeit hege, bin ich vom Ergebnis ziemlich angetan: Die Methode zwingt zur Strukturierung und ist ein schneller Weg, mehr Ordnung, Übersichtlichkeit und Logik in beliebiges Material zu bringen.

Dankenswerterweise herrscht kein Mangel an Freeware-Programmen zur Visualisierung. Hier ein paar Links zu Mac- bzw. plattformübergreifenden Programmen:

Mindnode. Es gibt eine Freeware- und eine Bezahlversion, die mir nur unwesentlich mehr Features zu haben scheint. Vorteil: Extrem einfach zu benutzen, sehr intuitiv, dem freien Malen sehr ähnlich. Nachteil: Bilder, Icons usw. gehen nicht, Layout-Möglichkeiten (Farbigkeit, Einkringeln usw.) sind begrenzt bis nicht vorhanden; man kann zwar sehr große Maps und auch mehrere auf einem Blatt erstellen, hat aber beim Ausdrucken keine sinnvollen Optionen zur Aufteilung in Unterseiten. Kann in unterschiedlichen Formaten (u.a. RTF, HTML, PDF) speichern, dann z.T. als Bullet-Point-Liste. Reine Mac-Software, daher kein Austausch mit Windows- oder Linuxnutzern möglich. Für den schnellen Einstieg und simple Mindmaps super, nichts für größere Ansprüche

XMind Auch hier gibt es eine kostenlose und eine Profi-Version. Vorteile: Open Source, plattformunabhängig; Einfügen von Bildern und Icons möglich; viele Gestaltungsmöglichkeiten. Nachteil: Keine Mac-Oberfläche (d.h., ein bisschen unschön und unhandlich bei Dateiauswahl u.ä.), unflexibler als Mindnode bei der graphischen Gestaltung der Linien und Knoten, weniger durch Draufzeigen-und-Klicken zu bedienen als Mindnode (alles geht über Menüs und Kontextmenüs oder Tastaturkürzel, die man erst lernen muss). Das Drucken von komplexeren Maps habe ich noch nicht probiert. Die Import- und Exportfunktionen der kostenlosen Version sind eingeschränkt, aber ausreichend. Das Programm erlaubt das Einfügen längerer Texte (z.B. Zitate) als Notizen, was für Vorträge sehr praktisch ist.

FreeMind Die Benutzeroberfläche und auch das Resultat finde ich persönlich optisch am wenigsten ansprechend. Kann ebenfalls Icons und Bilder benutzen. Plattformunabhängig. Viele Buttons zur graphischen Gestaltung. Bietet den Ausdruck oder Export einzelner Zweige an, was sehr praktisch sein kann. Vorteil: Es gibt nur eine, nämlich die kostenlose, Version.

Eher für wirklich komplexe Projekte geeignet scheint mir Compendium zu sein, das sah so kompliziert aus, dass ich mich nicht weiter damit befasst habe… Aber es sei der Vollständigkeit halber erwähnt.

Chicago Style und BibTeX

Ein Beitrag zum Themengebiet Computer & Internet, Wissenschaft, geschrieben am 3. Juni 2009 von Johanna

Gerade gehe ich der unsagbar aufregenden Aufgabe nach, einen Sammelband mit 16 Beiträgen zu setzen. Da ich mich weigere, dafür Word oder Word-Klone wie OO zu benutzen (meine aus Diss-Erfahrung gespeiste Prognose: das Programm wird genau dann anfangen, ständig abzustürzen oder irrationales Verhalten zu produzieren, wenn ich zu viel Arbeit investiert habe, um noch umzusteigen), setze ich das Ding jetzt in LaTeX, was immerhin besser aussieht und voraussichtlich am Ende weniger Probleme produzieren wird, aber dafür im Vorfeld umso mehr.

Ich will jetzt gar nicht über die vielen kleinen Nervigkeiten heulen (deren Lösung ich im Zweifel immer noch befriedigender finde als den ganzen Word-Frust), aber eine ganz, ganz megagroße Nervigkeit muss ich jetzt mal loswerden: ES GIBT FÜR LATEX KEINEN BIBTEX-STIL, DER DEM AKTUELLEN CHICAGO STYLE ENTSPRICHT, UND DAS IST GEMEIN UND UNGERECHT!

Es ist vor allem deswegen gemein, weil es natürlich durchaus einen vorinstallierten Stil namens Chicago gibt. Es gibt auch einen Natbib-Stil namens Chicago. Es gibt 1005 andere Stile, die sich Chicagoirgendwas nennen. Aber sie alle reproduzieren ausnahmslos das Chicago Manual of Style in der 13. Auflage von vor 20 Jahren oder so, und das ist leider nicht mal entfernt identisch mit den heute geltenden Regeln (15. Auflage), die der Verlag aber von mir umgesetzt sehen will!

Es gibt meiner Recherche nach nur zwei halbwegs annehmbare Lösungen, wenn man gezwungen ist, einen Zitierstil zu verwenden, der dem aktuellen Chicago Manual of Style entspricht. Die eine heißt ChicagoReedWeb, basiert auf Natbib und hat bei mir keine wirklich befriedigenden Ergebnisse produziert, weil fehlende Heftnummern bei Zeitschriften oder fehlende Verlagsangaben nicht erkannt wurden und sinnlose Satzzeichen im Zitat stehen blieben. Die andere heißt biblatex-chicago-notes-df und geht nur mit Biblatex, was v.a. deswegen nervt, weil Biblatex nicht mit XeTeX geht und ich aber bereits angefangen hatte, den Band in XeLaTeX zu setzen. *seufz* Beide Lösungen gehen übrigens nur für die Variante mit Fußnoten, nicht für den author-year-Stil, den ich eigentlich präferiert hätte, der aber nicht auffindbar war. Ja, ich weiß… es gibt custombib. Sorry, keine Zeit, keine Lust. :(

Gibt es nicht irgendeinen BibTeX-Helden, der den Chicago-Style mal auf die aktuellen Anforderungen umstellen will? Das wäre einen Orden wert.

XeLaTeX!

Ein Beitrag zum Themengebiet Computer & Internet, Wissenschaft, geschrieben am 30. April 2009 von Johanna

Nachdem ich meine Habilitationsschrift mit LaTeX geschrieben habe, was für den Textsatz super ist, aber für die arabische Transliteration gewisse Schwierigkeiten beinhaltet, habe ich erst letzte Woche XeLaTeX entdeckt, das es erlaubt, alle auf dem Computer installierten Zeichensätze zu verwenden – einschließlich der Unicode-Schriften, die alle Transliterationszeichen beinhalten, die man so braucht. Klappt fantastisch. Jetzt kann man LaTeX für orientalistische Arbeiten uneingeschränkt* empfehlen.

Bei herkömmlichem LaTeX hat man das Problem, das man nur für LaTeX vorinstallierte Schriften verwenden kann. Diese wiederum können nicht alle Unicode-Zeichen, insbesondere kein Arabisch und auch keine vollständige arabische Transliteration. Es gibt dafür mehrere Lösungen. Die eine davon ist das ArabTeX-Paket, das sehr schönes Arabisch setzt und auch die Umschrift der DMG kann, aber leider, leider nicht mit BibTeX zusammenarbeitet, d.h., dass man die ganzen arabischen Titel, die man in seiner Literaturdatenbank stehen hat, nicht automatisch in die Fußnoten transferiert bekommt, sondern doch wieder manuell eingeben muss, mit allen damit verbundenen Nachteilen. Die andere Lösung sieht so aus, dass man statt DMG die IJMES-Umschrift, auch für die Literaturangaben, verwendet. Punkte unter den Buchstaben und Striche über den Vokalen kriegt man nämlich mit LaTeX-Kommandos problemlos hin; man kann auch seinen Editor so einstellen, dass er diese Kommandos automatisiert bei bestimmten Tastenkombinationen setzt, so dass man bequem tippen kann. Das Problem sind ‘Ayn und Hamza. Es gibt ein Paket „Semtrans“, das diese Zeichen beinhaltet, die sind aber auf Times 11pt ausgelegt und stehen bei jeder anderen Schrift zu tief. Die andere Option ist das Paket ipa, das kann aber nur ʿAyn, so dass man statt Hamza Apostroph schreiben muss. Das ist die Lösung, die ich für meine Habilschrift gewählt habe; akzeptabel, aber nicht ganz ideal. ArabTeX habe ich für die arabischen Koranpassagen im Text verwendet, die wirklich schön geworden sind, mitsamt der speziellen koranischen Orthographie.

Mit XeLaTeX nun kann man einfach jeden beliebigen Unicode-Zeichensatz und alle darin enthaltenen Zeichen verwenden. D.h., man kann tippen wie in Word (nein, besser, Word für Mac kann nämlich kein Arabisch, XeLaTeX schon) und setzen wie in LaTeX (mit minimalen Einschränkungen, s.u.). Mit der aktuellen TeX-Distribution für den Mac und der aktuellen Version von TeXShop, dem Mac-Editor, geht das superkomfortabel. Der Haken an XeLaTeX und wohl auch der Grund für die bisher geringe Verbreitung ist, dass es keine Dokumentation gibt.

Daher hier eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Änderungen gegenüber herkömmlichem LaTeX – für die dreieinhalb Orientalisten und vergleichbaren Exoten, die ungefähr wissen, wie LaTeX geht:

  • Der Editor muss auf Texteingabe im Unicode-Format eingestellt sein.
  • In der Präambel sollte man fontenc, inputenc und alle Pakete, die etwas mit Zeichensatzauswahl zu tun haben, löschen.
  • Stattdessen lädt man \usepackage{xunicode,fontspec,xltxtra} (Zu fontspec gibt es auch eine Dokumentation).
  • Um Schriften auszuwählen, verwendet man z.B.
    \setmainfont{Gentium}
    \setsansfont{Lucida Grande}
    \setmonofont{Courier New}
  • Wenn man Arabisch schreiben will, fügt man an der entsprechenden Stelle z.B. ein \fontspec{Geeza Pro}, ggf. \raggedleft, ein. Dann schreibt oder kopiert man arabischen Text direkt in das Dokument. Zu beachten ist, dass man danach zum normalen Zeichensatz (\rmfamily) und linksbündigen Schreiben oder Blocksatz zurückkehren muss, es sei denn, man hat das Arabische in einer bestimmten Umgebung verwendet (z.B. quotation), die man einfach beendet.
  • An geeigneten, freien Unicode-Fonts konnte ich identifizieren: Gentium, Charis SIL, TITUS Cyberbit Basic, Palatino (Systemschrift auf dem Mac), DejaVu Serif. Serifenfreie Schriften gibt es wenige, v.a. DejaVu Sans und Helvetica (Systemschrift auf dem Mac). Lucida Grande und Geneva gehen auf dem Mac auch, aber nicht in allen Varianten (Lucida nicht kursiv, Geneva nicht fett…)
  • OpenType-Schriften (Linux Libertine, Minion Pro, Myriad Pro etc.) gehen auch!

Voilà. Für alle, die kein Wort verstanden haben: Es erfordert Einarbeitung, aber erstens fällt der Stress des Endlayouts KOMPLETT weg, und zwar derart komplett, wie man es sich als Word-Nutzer überhaupt nicht vorstellen kann, und zweitens ist das Ergebnis einfach superschön und professionell. Natürlich könnte man einwenden, dass man die Zeit, die man am Endlayout spart, für die Einarbeitung aufwendet, aber die Einarbeitung braucht man halt nur einmal, das Endlayout hingegen bei jedem einzelnen blöden Dokument… Funktioniert natürlich zumeist nicht bei Aufsätzen, die man in den Geisteswissenschaften in aller Regel doch nur als Word- oder RTF-Datei einreichen darf. *grmpf*

*Kleine Einschränkung für LaTeX-Experten: XeLaTex funktioniert nicht mit Microtype, d.h. das Resultat des Satzes ist ein bisschen weniger überragend… aber trotzdem immer noch überragend.