Neue Umfrage

Ein Beitrag zum Themengebiet Computer & Internet, Meine Forschungsarbeit, Gesellschaft, geschrieben am 26. November 2009 von Johanna

Nach längerer Zeit mal wieder eine neue Umfrage, geboren aus einem ganz aktuellen Interesse:

Ich unterrichte gerade ein Seminar zum Internet, das sich für mich selbst als methodisch und theoretisch sehr spannend erweist. Momentan geht es um verschiedene Nutzungsformen des Internet, und ich frage mich gerade, ob ich in meiner Themenwahl nicht schon wieder dem aktuellen Stand hinterherhinke und mich auf Sachen konzentriere, die vor 4-8 Jahren angesagt waren. Klar, über die gibt es natürlich Sekundärliteratur. :)

Eine - wie immer total unrepräsentative - Einschätzung, welches Internetmedium gerade hip, angesagt und im Trend ist, würde mich freuen! Eigene Hinzufügungen sind möglich.

Pro Ethik-Reli

Ein Beitrag zum Themengebiet Gesellschaft, geschrieben am 26. November 2009 von Johanna

Die Leser dieses Blogs (eine sicher sehr repräsentative Gruppe, fragt sich nur wofür ;)) haben in der letzten Umfrage entschieden: Mit großer Mehrheit für einen Ethikunterricht für alle, der auch Wissen über Religionen vermittelt, wobei alle großen Religionen den gleichen Raum erhalten sollen. Wahrscheinlich ist diese Von-allem-etwas-niemandem-Wehtun-Haltung auch so ungefähr gesellschaftlich mehrheitsfähig.

Ich tue mich etwas schwer damit. Keineswegs möchte ich einer christlichen Leitkultur das Wort reden, doch sehe ich es schon als Problem an, wenn kein solides Wissen über biblische Geschichte oder grundlegende Konzepte christlicher Theologie(n) besteht. Nicht, weil es eine Verpflichtung dazu gibt, religiös zu sein, sondern weil man sonst so vieles aus den Bereichen Kunst, Literatur, Geschichte, aber auch Aspekte gesellschaftlicher Debatten nicht versteht. Ich glaube, dass das in geringerem Maße für Wissen über den Hinduismus oder den Buddhismus gilt. Den Islam finde ich hingegen extrem wichtig, nicht nur wegen meiner fachlichen Ausrichtung, sondern weil er heute so heftige Konflikte auslöst. Das Judentum finde ich ebenfalls wichtig; in vielen Bereichen lassen sich die drei monotheistischen Religionen ohnehin nicht voneinander trennen. Dem Christentum würde ich aber bislang schon den stärksten Einfluss auf unsere Geschichte und Kultur zusprechen.

In meinem eigenen Unterricht merke ich, dass bei vielen Berliner und Brandenburger Abiturienten keinerlei Grundwissen über das Christentum vorhanden ist, was dann oft auch den Zugang zum Koran behindert. Ein erheblicher Anteil meiner Studierenden wusste z.B. nicht, dass es einen biblischen Josef VOR dem Ehemann Marias gibt. Die große Gefahr bei einem Ethik-Weltanschauung-Religion-Unterricht ist, dass solches Wissen zu kurz kommt, weil sehr viel allgemein über Wertorientierung geredet wird, aber Religionen höchstens noch auf folkloristischer Ebene (religiöse Feste, Riten usw.) eine Rolle spielen, in jedem Fall nur in einer eher oberflächlichen Außenperspektive. Das muss nicht so sein, kann aber leicht passieren. Ich habe es in meiner Schulzeit durchaus als Bereicherung empfunden, von bekenntnisorientierten Lehrern unterrichtet worden zu sein, gerade weil dieses Bekenntnis nicht das meine war. Vielleicht gäbe es die Möglichkeit, ein solches Element in einen Unterricht über Weltreligionen zu integrieren - nicht nur als Kurzvortrag zwischendurch, sondern z.B. indem Lehrer verschiedener Bekenntnisse jeweils mal ein Halbjahr oder Schuljahr übernehmen? Ich fantasiere jetzt natürlich nur. Aber ich glaube, dass es gerade Schülern, die in ihrem Umfeld keinen Zugang zu irgendeiner Form von Religion haben, eine interessante Perspektive eröffnen kann, sich einmal intensiv mit Menschen auseinanderzusetzen, die eine religiöse Überzeugung vertreten. Dabei geht es mir nicht um Bekehrung, sondern einfach um Verstehen. Man braucht sich nur den SPIEGEL anzuschauen, um zu sehen, wie weit her es in unserer Gesellschaft mit einem Verständnis für religiöse Einstellungen ist.

Es weihnachtet sehr

Ein Beitrag zum Themengebiet Familie, geschrieben am 23. November 2009 von Johanna

Ich finde, das Floristikfachgeschäft (59 Euro) hätte das auch nicht viel besser gemacht als Ladis, Luzie und ich:

adventskranz09.jpg

Dialogfetzen aus einer Intellektuellenfamilie

Ein Beitrag zum Themengebiet Familie, geschrieben am 21. November 2009 von Johanna

“Nein, Luzie, das ist nicht Erich Honecker, das ist Käpt’n Blaubär.”

Zurück aus London

Ein Beitrag zum Themengebiet Meine Forschungsarbeit, geschrieben am 16. November 2009 von Johanna

Bin gestern zurückgekommen von der 3tägigen Tagung “The Qur’an: Text, History and Culture” am SOAS in London. Alle fragen mich, wie London war, aber eigentlich weiß ich nur, wie die paar Häuserblocks in Bloomsbury waren, zwischen denen sich mein Aufenthalt bewegt hat: Feucht und wechselhaft. :) Außerdem kommt mir London momentan geradezu bezahlbar vor.

Jenseits dieser Äußerlichkeiten war die Tagung sehr, sehr interessant. Es gab manchmal eine etwas seltsame Mischung aus Außen- und Innenperspektive, zwischen Wissenschaftlern, die über den Koran (oder verwandte Themen) forschen, und Muslimen, die lieber darüber reden wollten, wie man den Koran denn nun wirklich richtig versteht… Das ist im angelsächsischen Raum verbreiteter als in Deutschland und für mich immer wieder gewöhnungsbedürftig, weil die Perspektiven nicht so recht zusammenpassen. Aber gestört hat es nicht weiter, die Tagungsbeiträge waren zum großen Teil wirklich interessant und anregend, und sehr divers, von der Rezeption des Korans in der amerikanischen Literatur bis zu westafrikanischen Koranhandschriften. Ich selber habe über Aspekte meines Habilthemas vorgetragen und im Anschluss sehr positives Feedback bekommen und intensive Gespräche geführt. Für mich hat sich selten eine Tagungsteilnahme so gelohnt. Der SOAS sei Dank!

Ladis-Lyrik

Ein Beitrag zum Themengebiet Familie, geschrieben am 3. November 2009 von Johanna

Surreale mehrsprachige Poesie eines Fünfjährigen:

La lune – Knall,

der Beethoven sitzt im Stall.

Und übrigens:

Ein Beitrag zum Themengebiet Meine Forschungsarbeit, geschrieben am 2. November 2009 von Johanna

Mein zweiter Sammelband ist erschienen:

Mehr Infos beim Verlag.

Ein hartes Stück Arbeit, aber es hat sich gelohnt!

Definiere “Wahlfreiheit”

Ein Beitrag zum Themengebiet Gesellschaft, Familie, geschrieben am 2. November 2009 von Johanna

Betreuungsgeld-Bashing mag nicht besonders originell sein, ich tue es hiermit trotzdem, denn ich begreife es einfach nicht.

Der Koalitionsvertrag begründet die geplante Einführung des Betreuungsgeldes mit dem Begriff “Wahlfreiheit”. Der logische Zusammenhang ist mir völlig unklar. Vermutlich lautet der Gedankengang ungefähr so: “Der Staat gibt WAHNSINNIG viel Geld (*ironieoff*) für mehr Kinderbetreuung aus, folglich müssen die Familien, die dies nicht in Anspruch nehmen, auch etwas bekommen.”

Das ist erstens absurd. Mit dieser Simpel-Logik könnte ich auch fordern, dass, wenn der Staat z.B. Geld dafür ausgibt, sozial schwachen Jugendlichen zu helfen, meine Kinder bitte eine Prämie dafür bekommen sollen, diese Hilfe nicht zu benötigen.

Zweitens ist es auch logisch schwachsinnig, denn Wahlfreiheit entsteht nicht daraus, dass der Staat für alle Segmente der Gesellschaft gleich viel Geld ausgibt, sondern aus den konkreten Handlungsoptionen, die die Menschen haben.

Wenn ich mal ganz von der polemischen Unterschichtdebatte absehe, dann stellen sich die Handlungsoptionen für die durchschnittlich verdienende Familie, sagen wir mal in Bayern (CSU-Klientel), doch so dar:

  • Verfügbare Kita-Plätze sind in weiten Teilen Westdeutschlands, das beinhaltet die meisten Großstädte, ein frommer Wunsch. Erst recht solche mit einem Betreuungsangebot, das eine Berufstätigkeit ermöglichen würde: Um halbtags zu arbeiten, benötigt man inkl. Pausen, An- und Abfahrt i.d.R. mindestens 5 Stunden Betreuung, um ganztags zu arbeiten bis zu 10 Stunden. Von zwei Vormittagen Tagesmutter pro Woche kann man höchstens in Ruhe zum Frisör gehen.
  • Selbst wenn es einem gelingt, ein ausreichendes Betreuungsangebot für eine Vollzeitberufstätigkeit zu ergattern, kann es passieren, dass auf Seiten der Einrichtung keine echte Bereitschaft besteht, diese Berufstätigkeit zu unterstützen (vgl. unsere nicht allzu lange zurückliegende Erfahrung aus Frankfurt/Main, wo die städtische Krippe – Monatsbeitrag: 440 Euro – es erklärtermaßen als Zumutung für die Kinder betrachtete, Einjährige während ihrer gesamten Öffnungszeit und nicht nur max. 5 Stunden am Tag zu betreuen).
  • Krippenplätze oder Tagesmütter sind in den meisten Kommunen für alle, die deutlich über Hartz-IV-Niveau verdienen, mit erheblichen Kosten von oft mehreren hundert Euro pro Monat verbunden.
  • Gleichzeitig wird das Modell “Einverdienerehe” bereits jetzt massiv steuerlich subventioniert, nämlich über das Ehegattensplitting.
  • Das führt dazu, dass sich für Paare mit ungleichgewichtiger Einkommensverteilung (meist ist die Frau der schlechter verdienende Part) eine Berufstätigkeit beider Partner bei gleichzeitiger außerhäuslicher Betreuung nicht lohnt: Eine Berufstätigkeit bedeutet Krippengebühren, Fahrtkosten, Kosten für Berufskleidung und Verlust von Steuervorteilen, die sich schlimmstenfalls zu einem höheren Betrag summieren, als der Partner netto überhaupt verdienen würde – dies umso mehr, wenn wir über Teilzeitjobs reden, was ja oft das Maximum ist, das die Betreuungskapazitäten zulassen. Der weniger verdienende Partner muss also schon Idealist sein und seinen Job sehr lieben, um sich darauf einzulassen.
  • Wir haben somit nach wie vor nicht genug Wahlfreiheit für Paare, bei denen beide Elternteile vor dem dritten Geburtstag des Kindes wieder in die Arbeit einsteigen wollen, und NICHT umgekehrt. Ich kenne übrigens eine ganze Reihe Familien in Hessen, Baden-Württemberg oder NRW, die die Situation haargenau so erleben wie beschrieben.
  • Zu suggerieren, es bestünde heutzutage praktisch ein Zwang, sein unter dreijähriges Kind in die Krippe “abzuschieben”, ist also nichts als bodenlos frech.

Ich hoffe nur, dass bis 2013 irgendjemandem in der Regierung auffällt, wie schwachsinnig diese Verpulverung von Steuermilliarden ist. Sinnvoll wäre eine Abschaffung des ordnungspolitisch fragwürdigen Ehegattensplittings und die Einführung einer echten steuerlichen Förderung von Eltern (gleich welchen Familienstandes) mit Kindern, insbesondere mit mehreren Kindern, wie es Frankreich erfolgreich praktiziert. Die dortigen Geburtenraten sind viel höher als die unsrigen, weil sich zwei Kinder steuerlich mehr lohnen als eines und das dritte Kind noch viel mehr, d.h., dass 3 Kinder sogar meist zur völligen Steuerfreiheit führen. Gleichzeitig gibt es genug Krippenplätze, so dass sich kein Mensch überlegen muss: “Kann ich mir ein weiteres Kind beruflich/finanziell leisten?” Aber ideologische Bedenken und die Angst vor der Verprellung wichtiger Wählergruppen wiegen in der deutschen Politik wohl auf absehbare Zeit mehr als Sachargumente. :(

Tote Superhelden

Ein Beitrag zum Themengebiet Gesellschaft, Allgemein, geschrieben am 26. Oktober 2009 von Johanna

Im Moment ist die ganze Stadt voll mit diesen Plakaten, auf denen ein Superheld eine schöne Frau mit seinen starken Armen rettet. Intuitiv hätte ich gedacht, Werbung für Stammzellspenden. Als ich Ladis heute das Plakat erklären sollte, fiel mir aber auf, dass es um Organspenden geht. Der kleine, aber feine Unterschied: Als Organspender ist der eigene Tod in der Regel Grundvoraussetzung, um irgendjemanden retten zu können. Dass die graphische Umsetzung dieser Tatsache Rechnung trägt, kann man nicht wirklich behaupten. Vielleicht im Jenseits.

Aus dem Leben einer Karrieremutter

Ein Beitrag zum Themengebiet Familie, geschrieben am 19. Oktober 2009 von Johanna

Sonntag, 11. Oktober: Lorenz fängt an, seine Sachen zu packen für seinen jährlichen einwöchigen Messeaufenthalt. Luzie wird wach und klagt, der entzündete Mückenstich an ihrer Fußsohle jucke. Ich schaue mir das an und sehe einen dicken roten Streifen quer über die Fußsohle. Nicht gut. Während des Frühstücks schaue ich, wann in der nächstgelegenen Kinderklinik der Bereitschaftsdienst anfängt. Ich hole den eingemotteten Kinderwagen aus der Garage und fahre mit Luzie im Bus dorthin.

Lange warten müssen wir nicht. Die Ärztin wirft einen Blick auf den Fuß und stellt fest: “Beginnende Lymphangitis, das nannte man früher Blutvergiftung. Sie braucht Antibiotika, zumindest anfangs intravenös. Ich weise sie in die Klinik ein.” WAAS? Ich muss doch Dienstag für zwei Tage nach Basel zum Bewerbungsvortrag!

Lorenz ruft meine Eltern an (die seinen sind nicht verfügbar). Mein Vater kommt vorbei, um Ladis zu bespaßen, damit Lorenz packen kann; meine Mutter setzt sich ins Auto und ist abends in Berlin. Ich verbringe mit Luzie einen anstrengenden Tag auf der Station: Luzie ist fit, langweilt sich, will unterhalten werden, es gibt aber nichts zu tun (Lorenz bringt uns gegen Abend Sachen vorbei, bis dahin habe ich nichts, und das stationseigene Spielzimmer verdient seinen Namen nicht). Ich bin todmüde, habe keine Chance, mich auszuruhen, und das Essen ist mies. Krankenhaus halt.

Montag, 12. Oktober: Wir warten den ganzen Vormittag auf die Visite, mit dem Ergebnis, dass Luzie dableiben muss. Meine Vorbereitungszeit für Basel geht langsam, aber sicher flöten, Lorenz ist mittlerweile abgereist. Nachmittags kommt meine Mutter. Nach der Antibiotikagabe fahren wir mit Luzie kurz nach Hause, dann fährt sie mit ihr abends wieder ins Krankenhaus. Ich muss packen, muss am nächsten Morgen ganz früh los. Mein Vater wird bei Ladis bleiben.

Dienstag, 13. Oktober: Ich stehe um 4 Uhr auf, fahre zum Flughafen, komme um 8 Uhr in der Baseler Innenstadt an, kann aber natürlich noch nicht ins Hotelzimmer. Laufe mehrere Stunden lang herum, darf schließlich endlich in mein Zimmer. Hektische Telefonate mit meinen Eltern: Luzie kann entlassen werden, die Klinik braucht aber eine Vollmacht, damit meine Eltern sie mitnehmen dürfen. Ich schreibe ein Fax an die Klinik und schicke es vom Hotel aus. Zum Glück ist das Telefonabrechnungssystem des Hotels kaputt, sonst wäre ich ein Vermögen für Anrufe auf deutschen Handys losgeworden. Absolviere nachmittags und am folgenden Vormittags Bewerbungsprozeduren, bin hinterher so müde, dass ich den Nachmittag auf einer Bank am Flughafen verbringe, weil ich natürlich nicht mehr in mein Zimmer kann und zu erschöpft bin, um mir noch was anzuschauen.

Um acht Uhr abends bin ich wieder zuhause. Die Kinder freuen sich riesig über meine Rückkehr. Luzies Fuß geht es besser, sie darf auch wieder in die Kita. Zwei Tage ohne Papa müssen wir noch überstehen (während die Kinder in der Kita sind, schlafe ich erstmal aus), dann wird am Wochenende der Kuchen gebacken, den ich Luzie aus lauter schlechtem Gewissen versprochen hatte, als ich sie in der Klinik zurücklassen musste… Heute freut sich die Kindergartengruppe über einen Schokokuchen mit Gummibärchen und Smarties. Ist immerhin noch etwas Gutes aus der ganzen Sache geworden. :)